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BiB-Mitteilungen, Heft 3/2008

29. Jahrgang, ISSN 0722-1509

Im neuen Heft der BiB-Mitteilungen stehen folgende Themen im Mittelpunkt:

- Auswirkungen des demographischen Wandels auf die
  Stimmrechte der einzelnen Bundesländer im Bundesrat;
- Gründe für Japans niedrige Fertilität;
- Info-Veranstaltung von BiB und Destatis für Ressorts;
- Demographische Entwicklung in Europa
  und Großbritannien;
- Bevölkerungsentwicklung und Familienplanung in den Entwicklungsländern.

Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Stimmrechte der einzelnen Bundesländer im Bundesrat: Eine Projektion
Der demographische Wandel wird sich auch auf die Stimmverteilung des Bundesrats auswirken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Projektion von Manfred Scharein aus dem BiB, der die Ergebnisse der 11. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Bundes und der Länder auf die Verteilung der Bundesratsstimmen für die Bundesländer bis zum Jahr 2050 berechnet hat. Da die Vergabe der Stimmen der Bundesländer im Bundesrat laut Grundgesetz an die Einwohnerzahl der Bundesländer gekoppelt ist, werden sich demographische Prozesse wie eine Schrumpfung der deutschen Bevölkerung und der nach wie vor anhaltende Trend großer Wanderungen von Ost- nach Westdeutschland voraussichtlich auf die Stimmanzahl der Länder im Bundesrat auswirken.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Bundesländer Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in mittelfristiger Zukunft und die Bundesländer Brandenburg und Niedersachsen in langfristiger Zukunft dem demographisch bedingten Verlust einer Stimme im Bundesrat unterliegen könnten. Diese Entwicklung erscheint demographisch kaum veränderbar. Daher soll in diesem Beitrag ein Algorithmus vorgestellt werden, der die Bundesratsstimmen abhängig von den Bevölkerungszahlen der Bundesländer, aber unabhängig von Wachstums- bzw. Schrumpfungstrends der Bevölkerung Deutschlands generiert und gleichzeitig die Ziele des Grundgesetzes bei der Stimmverteilung im Bundesrat berücksichtigt.

Die Alterung schreitet voran – die Bevölkerungszahl geht zurück: Europa auf Stagnationskurs?
Die Bevölkerung in der Europäischen Union wird ab dem Jahr 2035 vermutlich zurückgehen. Zu diesem Ergebnis kommen aktuelle Bevölkerungsprojektionen des europäischen Statistikamtes EUROSTAT. Nach den Berechnungen wird die Bevölkerung der EU27 von gegenwärtig 495 Millionen bis zum Jahr 2035 auf 521 Millionen im Jahr 2035 ansteigen und danach schrittweise auf 506 Millionen zurückgehen. Dabei wird dieser Rückgang die einzelnen Staaten in ganz unterschiedlicher Form betreffen. Sogar innerhalb der Staaten werde es enorme Unterschiede geben. Dabei spielt vor allem der Rückgang der jährlichen Geburtenzahlen zwischen 2008 und 2060 und die Zunahme der Zahl der jährlichen Sterbefälle eine wesentliche Rolle: So werden die Sterbefälle ab dem Jahr 2015 die Zahl der Geburten übersteigen. Das Bevölkerungswachstum wird somit aufgrund des natürlichen Wachstums aufhören. Der einzige Wachstumsfaktor wird dann der positive Wanderungssaldo (mehr Zu- als Abwanderer) sein. Dieser Effekt wird allerdings ab dem Jahr 2035 abnehmen, so dass es in der Folge zu einer rückläufigen Entwicklung in der Bevölkerungszahl kommen wird. Bis zum Jahr 2060 werden insbesondere Bulgarien, Lettland, Litauen, Rumänien, Polen, Estland und Ungarn einen massiven Bevölkerungsrückgang erleben. Deutschland wird den Prognosen zufolge im Jahr 2060 71 Millionen (heute: 82,3 Millionen) Einwohner haben.
Gleichzeitig wird in der EU der Anteil der älteren Menschen (65 Jahre und älter) von 17,1 % im Jahr 2008 auf 30 % im Jahr 2060 ansteigen.

Warum gibt es im Reich der aufgehenden Sonne immer weniger Kinder?
In Japan gab es im Jahr 2007 einen neuen Tiefststand beim Anteil der Kinder an der Gesamtbevölkerung. Die Altersgruppe der unter 15-Jährigen macht gegenwärtig noch 13,5 % der Gesamtbevölkerung aus. Hinzu kommt eine steigende Alterung, die in Zukunft die Alterspyramide in Japan verändern wird. Mit einer TFR von 1,34 im Jahr 2007 zählt Japan zu den „low-fertility-Ländern“. Worin liegen die Ursachen für Japans Kindermangel?
Der Beitrag präsentiert zwei Hauptfaktoren: zum einen die Inkompatibilität zwischen der Arbeitsnachfrage auf dem Arbeitsmarkt und dem Arbeitsangebot junger Mütter, da das japanische Arbeitsmarktsystem das Modell einer Vollzeitarbeitnehmerin, die zugleich Mutter ist, nicht vorsieht. Unterbricht eine Frau ihre Karriere, um sich ihrem Kind zu widmen, so findet sie später kaum Chancen vor, ihren unterbrochenen Berufsweg adäquat fortzusetzen.
Der zweite Faktor liegt in den sich wandelnden Einstellungen zu Ehe und Familie begründet: Es lässt sich eine zunehmende Heiratsmüdigkeit nachweisen. Die jungen Leute warten länger mit der Heirat und immer mehr bleiben Single – zwei Verhaltensmuster, die zur niedrigen Fertilität beitragen. Das klassische Familienmodell findet zusehends immer weniger Anhänger unter den japanischen Frauen.

Aktuelle Trends zur Bevölkerungsentwicklung und Familienplanung in den Entwicklungsländern anlässlich des Weltbevölkerungstags 2008
Nach den Modellrechnungen der UN wird die Weltbevölkerung auch in Zukunft weiter steigen, wobei dieses Wachstum in erster Linie in den am wenigsten entwickelten Ländern stattfinden und um die Jahrhundertmitte seinen Höhepunkt noch nicht erreicht haben wird. Nach der mittleren Variante der Rechnungen werden im Jahr 2050 9,2 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Allerdings hat bereits in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern der entsprechende Rückgang der Fertilität bereits eingesetzt. In einigen der am wenigsten entwickelten Länder, vorzugsweise in Afrika, steht der Rückgang erst noch bevor und bei einer Reihe von Ländern zeigt sich neuerdings eine Stagnation des Fertilitätsrückgangs.
Mit dem Fertilitätsrückgang nimmt die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ab. Als Ergebnis des Fertilitätsrückgangs werden künftig auch die weniger entwickelten Länder altern, was diese vor besondere Herausforderungen stellen wird. Weitere Chancen für die Lösung globaler Probleme können sich aus der internationalen Migration ergeben, worauf die Vereinten Nationen jüngst hingewiesen haben, so dass gegenläufige demographische Prozesse in der Welt nicht zwangsläufig auch zu einer Intensivierung von politischen Interessengegensätzen führen müssen. Eine rückläufige Fertilität eröffnet auch über die langfristige Reduktion des Bevölkerungswachstums Chancen für eine nachhaltige Entwicklung. International vereinbarte Entwicklungsziele wie die UN Millenium Development Goals lassen sich nämlich einfacher erreichen, wenn das Bevölkerungswachstum langfristig zurückgeht. Das bereits vor 40 Jahren vereinbarte Menschenrecht auf Familienplanung kann hierzu einen Beitrag leisten.

Diese Beiträge stellen eine Zusammenfassung von Originaltexten in den BiB-Mitteilungen dar, die vollständigen Texte stehen als Download zur Verfügung.


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