Forschungsschwerpunkt 3
Herausforderungen und Perspektiven in einer alternden Gesellschaft
Inhalte und Ziele
In den Medien und in der öffentlichen Meinung nimmt die Diskussion um den demografischen Wandel eine wichtige Stellung ein. Sobald soziale Sicherungssysteme, Pflege oder Migration in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten, ist das Thema präsent. Dabei fällt auf, dass die damit verbundenen Assoziationen nahezu ausschließlich negativ sind: Eine steigende Zahl von Ruheständlern bedroht das Solidarprinzip der öffentlichen Finanzsysteme, die Qualität der Pflegeeinrichtungen lässt zu wünschen übrig und die Abwanderung aus den neuen Bundesländern lässt weite Landstriche veröden.
Der Rückgang der Bevölkerungszahl und eine zunehmende Alterung werden meist mit schwindendem Wohlstand oder sinkender Lebensqualität verbunden. In der Tat sind die Risiken, die sich im Laufe der demografischen Entwicklung ergeben können, nicht von der Hand zu weisen. Besonders im Zeitraum zwischen 2020 und 2030 sind starke Umbrüche zu erwarten, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre die aktive Phase in der Arbeitswelt beenden und in den Ruhestand übergehen werden.
Wegen dieser Risiken werden Möglichkeiten und Chancen, die sich aus einer sich ändernden Bevölkerungsstruktur ergeben können, weit weniger wahrgenommen. Tatsächlich jedoch bietet der demografische Wandel auch die Gelegenheit, über positive Aspekte nachzudenken: Trägt die steigende Lebenserwartung dazu bei, Familienbeziehungen zwischen den Generationen zu stärken? Bietet der verbesserte Gesundheitszustand der lebenden Rentnergeneration die Chance, dass diese länger produktiv am gesellschaftlichen Leben teilnimmt und zudem deren Erfahrungswissen genutzt wird?
Mit diesem Forschungsschwerpunkt zielt das BiB im Besonderen auf die Potenziale ab, die der demografische Wandel hinsichtlich einer steigenden Produktivität im Alter ermöglicht. Diese Produktivität soll nicht nur aus ökonomischer Sichtweise betrachtet werden, sondern auch im Sinne einer aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen und familiären Leben. Aus diesem Grund umfasst der Forschungsbereich gleichermaßen Aspekte zum Arbeitsmarkt und zum Erwerbsverhalten wie zum bürgerschaftlichen Engagement und zu sozialräumlichen Unterstützungspotenzialen.
Im Fokus der Forschung stehen Menschen im Alter zwischen 60 und 75 Jahren. Es handelt sich dabei also um diejenige Personengruppe, die kurz vor dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben steht oder den Übergang in den Ruhestand bereits vollzogen hat. Zwei Faktoren lassen diese Altersgruppe in den kommenden Jahren besonders interessant erscheinen. Zum ersten tritt in absehbarer Zeit die Generation der "Baby-Boomer" in das Rentenalter ein; niemals zuvor ist in Deutschland eine so große Zahl an Menschen – relativ wie absolut – aus dem Erwerbsleben ausgeschieden bzw. im Ruhestand gewesen. Zum zweiten wird diese Gruppe, verglichen mit früheren Kohorten, die gesündeste, die wohlhabendste und die am besten ausgebildete sein, die jemals dieses Alter erreicht hat. Der Begriff der "jungen Alten" umschreibt damit sowohl die gesundheitliche Situation dieser Gruppe als auch ihre Lebenseinstellung recht treffend.
Forschungsprojekte
Potenziale im Rentenalter
Die "jungen Alten" - gestern, heute und morgen

