Binnenwanderungen in Deutschland
Binnenwanderungen sind alle Wohnsitzwechsel über eine Gemeindegrenze, die sich innerhalb der Grenzen Deutschlands bewegen. Besonders dann, wenn die übrigen demographischen Trends konstant verlaufen (beispielsweise die Geburten- und Sterblichkeitsentwicklung in Deutschland), kommt Wanderungsbewegungen bei der Bevölkerungsentwicklung eine wichtige Rolle zu. Räumliche Binnenwanderungsmuster sind vielfältig, weil innerhalb eines Staates jeder Binnenzuzug auch ein Binnenfortzug ist und so zwangsläufig Zuzugs- und Fortzugsregionen entstehen.
Trends in Deutschland
In Deutschland wird das Binnenwanderungsgeschehen vor allem von den regionalen Arbeits-, Bildungs- und Wohnungsmärkten angetrieben. Geprägt wurde es in den 1990er Jahren aber auch durch die Spätaussiedler. Die großräumigen Haupttrends der letzten Jahrzehnte waren eine Nord-Süd- und vor allem Ost-West-Wanderung der Bevölkerung. Die südlichen Länder sind seit längerem bevorzugtes Zuzugsgebiet. Allein Bayern wies von 1991 bis 2006 netto 595.000 Binnenzuzüge auf; es folgten Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mit 225.000 bzw. 208.000. Die Binnenabwanderung konzentriert sich in erster Linie auf die ostdeutschen Länder (Ausnahme Brandenburg) und Niedersachsen (hier aufgrund der Fortzüge von Spätaussiedlern aus der Aufnahmeeinrichtung in Friedland).
Der kleinräumige Haupttrend ist in Westdeutschland seit Jahrzehnten die Suburbanisierung, also die Stadt-Umland-Wanderung. Vor allem Familien erfüllen sich ihren Traum vom „Haus im Grünen“ außerhalb der Stadt. Im Laufe der Zeit hat sich die Suburbanisierung mehr und mehr ins Umland ausgebreitet und verschaffte damit auch günstig gelegenen ländlichen Räumen Wanderungsgewinne. In Ostdeutschland entwickelte sich die Suburbanisierung erst nach der Wiedervereinigung.
Abwanderung aus Ostdeutschland
Der alles überlagernde Binnenwanderungstrend war die wellenförmige Abwanderung von Ost- nach Westdeutschland. Nach dem Fall der Mauer stieg sie sprunghaft an, danach verringerte sie sich bis Mitte der 1990er Jahre. Nach 1997 zogen Ostdeutsche wieder in stärkerem Maße fort. Ab 2001 nahm die Abwanderung wiederum ab. Insgesamt wanderten von 1990 bis 2006 (ab 1991: ohne Berlin) gut 2,8 Millionen Personen in den Westen, umgekehrt 1,5 Millionen Personen in den Osten. Damit verlor Ostdeutschland per Saldo rund 1,3 Millionen Einwohner durch Abwanderung. Ein Problem ist auch die zu geringe Zahl an Zuzügen aus dem Westen, um die Binnenwanderungsverluste auszugleichen.
Die Abwanderung aus Ostdeutschland verläuft alters- und geschlechtsspezifisch sowie räumlich sehr selektiv. Sie konzentrierte sich mit der Zeit immer stärker auf jüngere Altersgruppen. In diesen wandern deutlich mehr Frauen als Männer ab. Vor allem die Aussichten auf einen Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz sind wanderungsentscheidend. Regional konzentriert sich die Abwanderung insbesondere auf ländliche und strukturschwache Regionen. Die unterschiedliche Zusammensetzung der Zu- und Fortzüge führt zu Austauschprozessen. Die Abwanderung beeinflusst und verstärkt so die demographischen Prozesse in den neuen Ländern, besonders die Alterung.

