BiB-Mitteilungen, Heft 2/2008
29. Jahrgang, ISSN 0722-1509
In Heft 2/2008 der BiB-Mitteilungen finden sich auf 46 Seiten wieder zahlreiche Artikel zu demographischen Themen. Das inhaltliche Spektrum umfasst einen internationalen Vergleich über den Erhalt von Unterstützungsleistungen durch ältere Menschen, den anhaltenden Bevölkerungsrückgang in Ostdeutschland sowie einige Beiträge zur Geburtenentwicklung. Des Weiteren wird über die Ergebnisse der vom BiB veranstalteten Konferenz zu „Erklärungsansätzen und Möglichkeiten intergenerationaler Beziehungen“ berichtet. Hinweise auf Neuerscheinungen und Veranstaltungen sowie themenrelevante Pressetexte runden den Inhalt des Heftes ab.
Vom Austausch zwischen Jung und Alt – Erklärungsansätze und Möglichkeiten intergenerationaler Beziehungen
Die gestiegene Lebenserwartung hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass sich die Zahl der Mehrgenerationenfamilien – also von Familien, in denen drei, vier oder noch mehr Generationen leben – angestiegen ist. Damit hat sich die Möglichkeit des Austauschs zwischen den Kindern und ihren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern deutlich erhöht. Grund genug für Demographen und Familiensoziologen sich mit diesem Thema näher zu befassen. Lag früher der Schwerpunkt der Forschung eher auf den Paar- und Eltern-Kind-Beziehungen, so kam es in den vergangenen Jahren zu einem gestiegenen Interesse an den Kontakten und Austauschbeziehungen, die über mehrere Generationen hinweg bestehen. Das BiB veranstaltete daher im Rahmen des Generations and Gender Surveys (GGS) eine Tagung, die sich mit den Erklärungsansätzen und Möglichkeiten intergenerationaler Beziehungen beschäftigte. Hier eine kurze Auswahl der Tagungsbeiträge:
Nach den Analysen von Karsten Hank (Universität Mannheim) zeigt sich, dass vom vielzitierten „Krieg der Generationen“ keine Rede sein kann: Es gibt vielmehr überall in Europa lebendige Beziehungen zwischen Alt und Jung, die sich auf vielfältige Art und Weise im Alltag unterstützen. Andreas Motel-Klingelbiel und Katharina Mahne vom Deutschen Zentrum für Altersfragen in Berlin untersuchten auf Basis des Alterssurveys Transferleistungen zwischen den Generationen und stellten fest, dass zwischen 1996 und 2002 die Verbreitung von Geld- und Sachtransfers zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern in Deutschland insgesamt leicht gesunken ist. Einkommensrückgänge oder Verschuldung der Geber führten zum Ausbleiben der Transfers; des Weiteren vermindert eine Vermögensabnahme die Wahrscheinlichkeit der Aufnahme von generationenübergreifenden Leistungen. Anja Steinbach und Johannes Kopp von der TU Chemnitz widmeten sich in ihrem Vortrag der Erklärung der Beziehungszufriedenheit aus Sicht der jüngeren Generation. Auf Basis der Daten des Generations and Gender Surveys (GGS) bestätigten sie das bekannte Bild, dass die Zufriedenheit mit der Beziehung zu den eigenen Eltern generell als sehr hoch eingeschätzt wird. Allerdings gibt es Differenzen in der Beziehungszufriedenheit, vor allem unter den Gesichtspunkten Wohnentfernung und Kontakthäufigkeit. Einen negativen Einfluss auf die Qualität der Beziehung hat sowohl ein schlecher Gesundheitszustand der Befragten als auch gesundheitliche Probleme eines Elternteils. Angelika Tölke vom Deutschen Jugendinstitut München ging der Frage nach, ob ältere Väter aktiver sind als jüngere, was die mit ihren Kindern gemeinsam verbrachte Zeit angeht. Dabei zeigte sich, dass Väter im mittleren Alter weniger aktiv sind und Schwierigkeiten haben, Beruf und Familie während der „Rush Hour of Life“ zu vereinbaren.
Rainer Unger (Universität Bremen) und Alexander Schulze (Universität Mainz) untersuchten den Gesundheitszustand von Verheirateten und Unverheirateten und kamen zu dem Schluss, dass Verheiratete klar im Vorteil waren: ihr Zustand war besser als der der Unverheirateten.
Insgesamt machte die Konferenz deutlich, dass das noch vergleichweise junge Forschungsgebiet der Generationenbeziehungen sich in kürzester Zeit zu einem theoretisch und empirisch äußerst fruchtbaren Forschungsfeld entwickelt hat. (Weitere Beiträge in den BiB-Mitteilungen).
Internationaler Vergleich der Potentiale älterer Menschen für den Erhalt von Unterstützungsleistungen durch ihre erwachsenen Kinder
Durch den demographischen Wandel und vor allem durch die Erhöhung der Lebenserwartung wird in absehbarer Zukunft die Situation eintreten, dass mehr ältere und hochbetagte Menschen auf Unterstützungsleistungen (wie z.B. Pflege) der jüngeren Generation angewiesen sein werden. Diese Gruppe der Jüngeren wird allerdings aufgrund des Fertilitätsrückgangs zahlenmäßig abnehmen, so dass die Älteren nicht mehr im notwendigen Maße auf Unterstützung hoffen können. Haben ältere Menschen, wenn sie Hilfe benötigen, die Möglichkeit auf Unterstützung durch ihre erwachsenen Kinder zurückzugreifen? Und wie unterscheidet sich diese Möglichkeit im internationalen Vergleich? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Beitrag von Mitarbeitern des BiB auf der Datenbasis des Generations and Gender Surveys (GGS). Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung in Deutschland, Frankreich, Bulgarien und Russland.
Ein Trend setzt sich fort: In Ostdeutschland schreitet der Bevölkerungsrückgang auch 2007 weiter voran
Die Bevölkerungszahl ist in Ostdeutschland im Jahr 2007 in allen fünf Bundesländern im Vergleich zum Vorjahr weiter zurückgegangen. Hauptursache für diese Entwicklung sind nach Angaben der Statistischen Landesämter gestiegene Wanderungsverluste. Dabei wirkt sich in einigen Ländern wie Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern auch das Geburtendefizit negativ auf die Bevölkerungszahl aus. (Fakten und Tabellen dazu in den BiB-Mitteilungen 02/2008).
Warum bekommen italienische Mütter immer weniger Bambinis? Erklärungsversuche gewollter Kinderlosigkeit in Italien
Das Phänomen der gewollten Kinderlosigkeit ist in Europa weiter auf dem Vormarsch, auch in Italien, wo immer mehr Frauen auf Kinder verzichten. Die Gründe für gewollte Kinderlosigkeit sind in Italien kaum erforscht, und es gibt wenige Studien über die Motivation italienischer Frauen, die bewusst kinderlos bleiben wollen. Dabei liefert der 1996 durchgeführte italienische Fertility and Family Survey einige Informationen zu diesem Thema, wenngleich nicht für alle Kohorten aufschlussreiche Daten vorhanden waren. In einer aktuellen Analyse eines Surveys aus dem Jahr 2002 wurde in fünf italienischen Städten die Frage nach den Gründen für bewusste Kinderlosigkeit untersucht und mit früheren Erhebungen verglichen. Es zeigt sich, dass die Gründe für Kinderlosigkeit nicht monokausal sind, sondern vielschichtige Ursachen haben. Ein wichtiger Grund ist für die befragten Frauen das Fehlen einer stabilen Partnerschaft. Darüber hinaus zeigt die Analyse, dass die bewusst kinderlos gebliebenen Frauen weniger traditionelle Wertorientierungen haben und eine höhere Bildungsstufe besitzen. Die Auswertung des Surveys zeigt nach Ansicht der Autoren, dass das Vermeiden bzw. das Verschieben der Mutterschaft darin begründet liegt, dass anderen Prioritäten im Leben eine größere Rolle zugedacht wird: Persönliche Lebenserfüllung wird eher in einer beruflichen Karriere gesucht und es werden die Opfer, die eine Mutterschaft abverlangt, abgelehnt. In vielen Fällen ist die Kinderlosigkeit auch das Produkt der eigenen Lebensumstände, auf die die Befragten relativ wenig Einfluss ausüben konnten, wobei die Instabilität der Beziehung an erster Stelle stand. Die bewusst kinderlosen Frauen waren weniger an religiöse Normen gebunden, hatten kein Interesse an der Ehe als Institution und legten keinen Wert auf starke Partnerschaftsbeziehungen. Meist kamen sie aus kleinen Familien und waren gut ausgebildet mit wenig Freizeit. Da die Zahl dieser Frauen in Italien zunimmt, werde, so die Autoren, auch gewollte Kinderlosigkeit in Italien weiter auf dem Vormarsch sein.
Diese Beiträge stellen eine Zusammenfassung von Originaltexten in den BiB-Mitteilungen dar, die vollständigen Texte stehen als Download zur Verfügung.
