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EPC 2016 in Mainz eröffnet

Datum 01.09.2016

Die größte europäische Bevölkerungskonferenz (European Population Conference), die zum ersten Mal in Deutschland stattfindet, startete am Mittwochabend in der Universität Mainz mit einer zweistündigen Eröffnungsveranstaltung. Nach einem Willkommensgruß des Präsidenten der Johannes Gutenberg-Universität, Prof. Dr. Georg Krausch, sowie des Präsidenten der European Association for Population Studies (EAPS), Prof. Dr. Francesco Billari, gaben Dr. Günter Krings (Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern) und der Direktor des BiB, Prof. Dr. Norbert F. Schneider, in ihren Vorträgen inhaltliche Diskussionsanstöße für die Themen der kommenden drei Tage. Die vom BiB organisierte Konferenz steht in diesem Jahr unter dem Motto „Demographic Change and Policy Implications“ und endet am 3. September 2016. Insgesamt werden über 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet, die in über 600 Vorträgen und 300 Postersessions den aktuellen Stand der demografischen und familiensoziologischen Forschung diskutieren.

Den demografischen Wandel gemeinsam gestalten

Dr. Krings wies in seinem Vortrag darauf hin, wie sehr sich die Einstellung zum demografischen Wandel in den letzten 15 Jahren mittlerweile gewandelt hat. Herrschte vor über einem Jahrzehnt noch Weltuntergangsstimmung, so wird die demografische Entwicklung heute als Chance gesehen. Diesen Rückenwind sollten wir uns weiterhin nutzbar machen, forderte er. Dies gilt vor allem für die aktuelle Zuwanderungsdiskussion, die nur durch den gesellschaftlichen Zusammenhalt Aller und die nötigen Integrationsschritte bewältigt werden kann. Hier sind von Anfang an Ideen und Maßnahmen gefragt und zwar nicht nur auf gesetzlicher, sondern vor allem auch auf der praktischen, gesellschaftlichen Ebene.

Letztlich ist aber der große Zustrom von – überwiegend jüngeren – Zuwanderern kein demografisches Allheilmittel gegen die Schrumpfung und Alterung der Gesellschaft. Er kann allenfalls vorübergehend und in einigen Bereichen Entlastung bringen, meinte er. Bei den Maßnahmen und Gestaltungsansätzen spielen Forschung und Politikberatung, wie sie etwa das BiB seit Jahren leistet, eine wichtige Rolle. Hierauf ist die Politik auch künftig angewiesen. Letztlich können die vielfältigen Szenarien des Wandels nur gemeinsam bewältigt werden, resümierte er.

Wandel der Familie in Europa: Konvergenz oder Divergenz?

Das Bild zeigt Prof. Dr. Norbert F. Schneider bei seinem Vortrag. Prof. Dr. Norbert F. SchneiderProf. Dr. Norbert F. Schneider analysierte den Wandel der Familie in Europa. Quelle: BiB

Einen ersten Einblick in aktuelle familienwissenschaftliche Forschungsfragen gab dann Prof. Dr. Norbert F. Schneider. Er widmete sich in seinem Vortrag der Frage, welchen Wandel die Familie in Europa in den letzten 30 Jahren erlebt hat und ob die Richtung des Wandels in allen Ländern weitgehend einheitlich oder unterschiedlich verlief. Als Ausgangspunkt betrachtete er die Familie als soziales und kulturelles Konstrukt, das durch Wandel und Vielfalt zugleich charakterisiert ist. Dieser Wandel ist in den letzten drei Jahrzehnten in den meisten europäischen Ländern mit einem einheitlichen und stabilen Trend verlaufen, betonte er. Unterschiede zeigen sich allerdings beim Tempo des Wandels, der in einigen Ländern schneller erfolgte als in anderen. Am Beispiel von Indikatoren zur Messung des Wandels (wie etwa dem Anteil nichtehelicher Paarbeziehungen, dem Anteil von vollzeiterwerbstätigen Frauen oder nichtehelichen Geburten) machte Prof. Schneider deutlich, dass solche Indikatoren die divergierenden Tendenzen in den westeuropäischen Ländern aufzeigen. Dies gilt auch beim Vergleich des Zusammenhang zwischen der Total Fertility Rate (TFR) und dem Bildungsgrad: So gibt es beispielsweise in Portugal nur geringe Unterschiede beim Zusammenhang von Bildungsgrad und TFR. Dagegen existiert in Deutschland eine negative Korrelation: Mit steigendem Bildungsgrad sinkt die TFR ab. Diese vielfältigen und disparaten empirischen Merkmale lassen sich nicht eindeutig als konvergierende oder divergierende Phänomene interpretieren. Vielmehr belegt das Nebeneinander von Konvergenz und Divergenz nach Ansicht von Prof. Schneider das Vorhandensein hybrider Muster, die durch das Zusammentreffen von Modernisierungsprozessen auf unterschiedliche kulturelle, strukturelle und ökonomische Bedingungen entstehen und sich damit verfestigen.

Der Wandel der Familie führt letztlich dazu, dass sie sich von einer sozialen Institution zu einer individuell gestalteten Lebensform verändert, analysierte der Soziologe. Für die Politik ergibt sich daraus, dies zu akzeptieren und dem Wandel Rechnung zu tragen. Dazu gehören ein Ausbau der Lebensqualität durch verbesserte Opportunitätsstrukturen und die Möglichkeit der Wahlfreiheit – auch im Hinblick auf die sich in stetigem Wandel befindliche Familie.

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