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Gibt es länderspezifische Unterschiede bei der Fertilität beruflich hochmobiler Frauen und Männer?

Datum 07.09.2017

In der Zeitschrift „European Sociological Review” präsentieren Dr. Heiko Rüger (BiB) und Dr. Gil Viry (University of Edinburgh) neue Ergebnisse zum Zusammenhang von Fertilitätsverhalten und berufsbedingter räumlicher Mobilität in vier europäischen Ländern.

Der Beitrag untersucht, wie sich Mobilitätserfahrungen im Lebenslauf von Männern und Frauen auf die Kinderzahl auswirken. Dabei wird erstmals auch der Frage nachgegangen, inwieweit sich länderspezifische Unterschiede bei der Verbindung zwischen Mobilitätsverläufen und der Fertilität im Vergleich der Länder Frankreich, Deutschland, Spanien und der Schweiz nachweisen lassen.

Untersucht wurden unter anderem Personen, die täglich weite Strecken zum Arbeitsort pendeln („Fernpendler“) sowie solche, die häufig berufsbedingt – beispielsweise im Rahmen von Dienst- oder Geschäftsreisen – auswärts übernachten müssen („Übernachter“).

Deutliche Unterschiede zwischen den Ländern bei der Fertilität mobiler Frauen

Auf der Basis eines Lebenslaufansatzes konnte gezeigt werden, dass rund 15 Prozent der Männer und 5 Prozent der Frauen die überwiegende Zeit ihrer Erwerbskarriere, durchschnittlich rund 20 Jahre, hochmobil für den Beruf waren. Die Analysen weisen zudem auf deutliche Unterschiede zwischen den Ländern hin. So haben beispielsweise Fernpendlerinnen und Übernachterinnen in Deutschland sowie der Schweiz weniger Kinder als die nichtmobilen Frauen in den jeweiligen Ländern. In Frankreich und Spanien ist dieser Zusammenhang nicht nachweisbar oder schwächer.

Bei den Männern in Deutschland und der Schweiz, die zur Gruppe der Übernachter zählen, zeigen sich ähnliche Tendenzen: Sie weisen eine vergleichsweise niedrige Fertilität auf, obwohl die Unterschiede im Vergleich zu Frankreich und Spanien weniger ausgeprägt sind als bei den Frauen.

Komplexe Beziehung zwischen Mobilität und Fertilität

Somit liefert die Studie neue Erkenntnisse für den Einfluss des nationalen Kontextes auf den Zusammenhang berufsbedingter räumlicher Mobilität und dem Fertilitätsverhalten im Lebenslauf. Die Ursachen dafür müssen vor dem Hintergrund der länderspezifischen Unterschiede bei den sozialen Normen, der Familienpolitik, den räumlichen Gegebenheiten sowie den Arbeitsmarktstrukturen gesehen werden. Deutlich wird dabei die komplexe Beziehung zwischen den Mobilitätserfahrungen und dem Fertilitätsverhalten in Abhängigkeit von Geschlecht, Mobilitätsform sowie nationalem Kontext.

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