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Die Rushhour des Lebens im Familienzyklus

Datum 24.08.2017

Auf Grundlage der Zeitverwendungsstudie des Statistischen Bundesamts hat Ralina Panova gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern des BiB analysiert, wie sich die zeitliche Belastung von Eltern mit Kleinkindern gestaltet.

Die Forscher untersuchten deskriptiv anhand eines synthetischen Querschnitts-Lebenslaufs für Männer und Frauen ab 20 Jahre die Arbeitsbelastung und das subjektive Empfinden von Zeitdruck von Eltern im Lebensverlauf.

Das Konzept der Rushhour des Lebens

Der Begriff „Rushhour des Lebens“ bezeichnet einen intensiven Lebensabschnitt zwischen dem 25. und 40. Lebensjahr. In dieser Zeitspanne lassen sich zwei Phänomene unterscheiden.

Erstens, die „Rushhour von Lebensentscheidungen“, die vor allem Akademikerinnen und Akademiker erleben. Innerhalb von fünf bis sieben Jahren gibt es mit Berufseinstieg, Karriereaufbau, Partnerwahl und Familiengründung eine sehr hohe Dichte an Entscheidungen.

Zweitens, das Phänomen der „Rushhour im Familienzyklus“, um die es hier geht. Dieser Begriff bezeichnet eine Phase, die für Eltern mit der Geburt des ersten Kindes beginnt. Durch die Verbindung von Beruf und Familie entsteht eine sehr hohe Arbeitsbelastung. Das Ende dieses Lebensabschnitts ist an das Alter des jüngsten Kindes gekoppelt.

60-Stunden-Wochen für junge Eltern über mehrere Jahre

Mit der Geburt des ersten Kindes steigt die Belastung durch bezahlte und unbezahlte Arbeit von 48 auf 60 Stunden für Männer und von 54 auf 59 Stunden für Frauen. Zur Arbeit zählen im Rahmen der Studie berufliches Pendeln, Haushaltstätigkeiten, Kinderbetreuung, Bildung sowie Erwerbstätigkeit. Für Mütter liegt die Spitzenbelastung in der Kleinkindphase des zweiten Kindes bei 63 Stunden, Väter kommen auf 62 Stunden pro Woche. Bei ihnen verstetigt sich dieser hohe zeitliche Aufwand von 62 Stunden bis das zweite Kind fünf Jahre alt, bei den Müttern hingen sinkt im gleichen Zeitraum die Stundenzahl leicht auf 59 Stunden.

Retraditionalisierung der Geschlechterrollen

Ein weiteres Ergebnis: Nach der Geburt des ersten Kindes konzentrieren sich Väter noch stärker auf ihren Beruf und die Sicherung des Lebensunterhalts, indem sie ihren Erwerbsumfang erhöhen. Demgegenüber reduzieren Frauen ihre Erwerbstätigkeit massiv und dauerhaft und übernehmen die Hauptverantwortung für Kinder und Haushalt. Diese „Retraditionalisierung“ der Aufgabenteilung hält sich hartnäckig über den Lebensverlauf.

Wenn das jüngste Kind älter wird und der Betreuungsaufwand sinkt, werden zwar wieder mehr Frauen erwerbstätig, aber nur für bis zu 20,6 Stunden in der Woche. Auch nachdem die Kinder aus dem Haus sind, geht ein Großteil der Frauen einer Teilzeittätigkeit nach. Diese ungleiche Zeitverteilung hat Konsequenzen nicht nur für die Stellung der Frau in der Paarbeziehung und ihre Karriereaussichten, sondern auch für die Alterssicherung.

Längere und intensivere Rushhour des Lebens bei Frauen

In Bezug auf den subjektiv empfundenen Zeitdruck junger Eltern wird in den Analysen deutlich, dass die Rushhour des Lebens bei Frauen länger und intensiver ist. Der Planungs- und Zeitdruck erreicht bei Frauen einen Höhepunkt, wenn das jüngste Kind im Kindergartenalter ist. Darüber hinaus geben junge Eltern überdurchschnittlich oft an, unregelmäßig ausschlafen zu können.

Panova, Ralina; Sulak, Harun; Bujard, Martin; Wolf, Lisa (2017): Die Rushhour des Lebens im Familienzyklus: Zeitverwendung von Männern und Frauen. In: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Wie die Zeit vergeht. Analysen zur Zeitverwendung in Deutschland. Beiträge zur Ergebniskonferenz der Zeitverwendungserhebung 2012/2013 am 5./6. Oktober 2016 in Wiesbaden. Wiesbaden: 45–64.

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