Navigation und Service

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Wie lassen sich erhebliche gesundheitliche Unterschiede innerhalb sozialer Statusgruppen erklären?

Datum 19.10.2016

In einem Vortrag beim Workshop der Arbeitsgruppe Medizinsoziologische Theorien auf dem gemeinsamen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP) an der Charité in Berlin am 29. September 2016 hat Dr. Andreas Mergenthaler das Resilienz-Konzept als Erklärungsansatz für gesundheitliche Differenzen zwischen sozialen Lagen vorgestellt.

Dabei wird der Resilienz-Ansatz aus seiner Sicht als Ergänzung herkömmlicher Erklärungsansätze betrachtet. Bisherige empirische Studien, die überwiegend deskriptiv ausgerichtet sind, offenbaren ein theoretisches Defizit bei der Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit, betonte Dr. Mergenthaler. Zudem vernachlässigen die gängigen defizitorientierten Ansätze die Gesundheitsunterschiede innerhalb von Statusgruppen und Schutzfaktoren, die eine gesundheitliche Anpassung an sozioökonomische Risiken ermöglichen.

Das Resilienz-Konzept mit seiner Betonung der gesundheitlichen Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit von Individuen und Gruppen angesichts riskanter Lebensumstände oder -ereignisse geht bei der Analyse des Phänomens gesundheitlicher Ungleichheit über die gesundheitlichen Risiken zwischen bestimmten Soziallagen hinaus, erklärte er. Es nimmt vielmehr die gesundheitlichen Differenzen innerhalb solcher Statusgruppen in den Blick. Eine zentrale Rolle in dem Ansatz spielen hierbei protektive Faktoren. Darunter werden individuelle oder soziale Ressourcen, die den erfolgreichen Umgang mit Lebensrisiken ermöglichen, verstanden. Die Identifizierung solcher Faktoren könnte gerade in sozioökonomisch benachteiligten Soziallagen helfen, Interventionen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes zu fördern und somit zur Reduzierung des sozialen Gefälles zwischen sozioökonomischen Bevölkerungsgruppen beizutragen.

Da es sich bei gesundheitlicher Resilienz um ein dynamisches Konzept handelt, spielen sozioökonomische Risiken aus früheren Lebensabschnitten ebenso eine Rolle, wie die lebenszeitliche Entwicklung protektiver Faktoren und deren Wechselwirkung mit kritischen sozialen Übergängen. Dazu zählen zum Beispiel Partner- oder Wohnortwechsel oder der Übergang in den Ruhestand.

Diese Seite

© Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung - 2017