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Mehr Kinderlose oder weniger Kinderreiche?

Datum 06.10.2016

Die Frage, inwieweit gestiegene Kinderlosigkeit oder der Rückgang kinderreicher Frauen zur niedrigen Geburtenrate beiträgt, ist wissenschaftlich umstritten. In einem Beitrag der aktuellen Ausgabe 3 der „Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie“ zeigen Dr. Martin Bujard und Harun Sulak, dass der Rückgang kinderreicher Frauen mit 68 Prozent der zentrale Treiber des Geburtenrückgangs ist. Allerdings unterscheiden sich die Effekte im Zeitverlauf.


Bild Titelseite Heft 3 2016 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie

In welchem Ausmaß sind diese demografischen Effekte für den Rückgang der Geburtenraten seit den 1960er Jahren verantwortlich wie lassen sie sich exakt quantifizieren?

In dem Artikel wird zur Klärung dieser Forschungsfragen eine Dekompositionsmethode entwickelt, anhand der sich der Geburtenrückgang in vier Komponenten zerlegen lässt. Diese umfassen die Zunahme von Kinderlosigkeit, den Rückgang des Anteils kinderreicher Frauen, die Interaktion beider Effekte und die Zunahme des Anteils von Frauen, die sich für ein statt zwei Kinder entscheiden. Nach einem Überblick über den Forschungsstand und den theoretischen Hintergrund stellt der Beitrag das Forschungsdesign und die methodische Herangehensweise vor.

Die Analyse der Komponenten der Veränderung der durchschnittlichen Kinderzahl der Frauenjahrgänge (CTFR) zeigt, dass der Rückgang der CTFR im zweiten Geburtenrückgang (der auf die Kohorten der Jahrgänge 1933 bis 1968 verortet wird) überwiegend auf dem Rückgang des Anteils kinderreicher Frauen beruht. Er ist zu 68,0 Prozent auf den direkten Effekt des Rückgangs von Geburten der dritten oder weiteren Kinder zurückzuführen - und nur zu 25,9 Prozent auf den direkten Effekt der Zunahme der Kinderlosigkeit. Damit lässt sich die wissenschaftlich umstrittene Frage nach dem einflussreicheren Treiber präzise beantworten.

Zugleich haben die Befunde des Beitrags eine erhebliche Relevanz für Theorien der Geburtenlosigkeit, da sich Erklärungen der zunehmenden Kinderlosigkeit von denen des Rückgangs höherer Paritäten deutlich unterscheiden. Aber auch für demografische Ziele der Familienpolitik sind diese Befunde von Bedeutung: Demnach sind Maßnahmen, die Mehrkindfamilien unterstützen, besonders vielversprechend.

Martin Bujard, Harun Sulak (2016): „Mehr Kinderlose oder weniger Kinderreiche?“ Eine Dekomposition der demografischen Treiber in unterschiedlichen Phasen des Geburtenrückgangs in Deutschland. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 68 (3): S. 487–514 (Doi: 10.1007/s11577-016-0373-6). Online: http://rdcu.be/j1dt

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