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Verstärkt oder reduziert internationale Bildungsmobilität soziale Ungleichheiten?

Datum 29.09.2016

Auf dem 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Bamberg suchten Stine Waibel, Dr. Heiko Rüger und Andreas Ette vom BiB am 29. September 2016 Antworten auf diese Frage in ihrem Vortrag.

Mobilitätsströme

Immer mehr junge Menschen nutzen temporäre internationale Mobilität als zusätzliche Option in der individuellen Ausgestaltung ihrer Bildungsbiographie, sei es im Rahmen eines Schüleraustauschs, Internationalen Freiwilligendienstes oder Hochschulsemesters im Ausland. War diese Mobilitätserfahrung vormals einer kleinen Minorität vorbehalten, ist mittlerweile eine Normalisierung der Mobilitätserfahrung erkennbar und es lassen sich überdies Züge eines sozial erwarteten und damit normativen Mobilitätsverhaltens beobachten.

Bisherige Studien haben gezeigt, dass die Realisierung bildungsbezogener Mobilitätsoptionen stark durch herkunftsspezifische Faktoren wie das Bildungsniveau der Eltern bestimmt ist. Diskutiert wird daher die Entstehung neuer sozialer Ungleichheiten, denn internationale Bildungsmobilität wird in vielen politischen und öffentlichen Kreisen mit der Sicherung von Beschäftigung und Karrierechancen verknüpft. Eindeutige Forschungsbefunde dazu gibt es bislang jedoch nicht. Vor diesem Hintergrund untersucht der Beitrag erstens die Selektivität des Zugangs zur internationalen Bildungsmobilität und ob diesbezüglich Veränderungen über die Zeit feststellbar sind. Zweitens untersucht er die Frage, ob Bildungsmobilität das Erreichen höherer gesellschaftlicher Statuspositionen begünstigt. In diesem Zusammenhang interessiert insbesondere die gruppenspezifische berufliche Verwertbarkeit der Mobilitätserfahrung. Es wird erörtert, ob internationale Bildungsmobilität auch zu einer Verringerung systembedingter Ungleichheiten beitragen kann, falls schwächere sozioökonomische Gruppen von so erworbenen Qualifikationen besonders profitieren. Dahinter steht die Annahme, dass die entsprechenden Auslandserfahrungen besonders für Kinder aus bildungsferneren Familien zur Entwicklung (beschäftigungsrelevanter) sozialer Kompetenzen beitragen und deren „Mobilitätskapital“ erhöhen, da diese während ihrer Kindheit und Sozialisation weniger Chancen hatten, solche Kompetenzen und Kapitalien frühzeitig zu erwerben.

Datengrundlage der Untersuchung ist die repräsentative Erhebung „Arbeiten und Lernen im Wandel“ (ALWA), durchgeführt vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Diese bietet unter anderem eine lückenlose Erhebung der Ausbildungs-, Erwerbs- und Wohn-Biographien der zwischen 1956 und 1988 in Deutschland geborenen Bevölkerung.

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