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Berufsbedingte Mobilität und die Folgen für Familienleben und Fertilität

Datum 30.06.2016

Dr. Heiko Rüger vom BiB präsentierte gemeinsam mit Dr. Gil Viry von der University of Edinburgh auf der internationalen Konferenz des Centre for Research on Families and Relationships (CRFR) in Edinburgh neue Ergebnisse zu geschlechtsspezifischen Folgen berufsbedingter Mobilität in Deutschland und Frankreich.

Mobilitätsströme

Immer mehr Beschäftigte sind aus beruflichen Gründen mobil – und zwar nicht nur in Deutschland sondern auch in Frankreich. Welche Folgen resultieren aus dieser Entwicklung in beiden Ländern für den Zusammenhang zwischen Mobilität, Partnerschaft und Fertilität im Lebenslauf? Gibt es hier Unterschiede beziehungsweise Gemeinsamkeiten? Antworten auf diese Fragen stellte Dr. Heiko Rüger gemeinsam mit Dr. Gil Viry von der School of Social and Political Science der University of Edinburgh auf der Konferenz in Edinburgh vom 13. bis 15. Juni 2016 in zwei Vorträgen vor.

Hohe Mobilität = niedrige Fertilität bei den deutschen Frauen

Auf der Basis der zweiten Welle des Surveys Job Mobilities and Family Lives in Europe betrachteten sie zunächst die Mobilitätsvarianten getrennt nach Geschlecht. Sie stellten fest, dass die Verbindung zwischen hoher Mobilität und einem niedrigen Fertilitätsniveau besonders bei den deutschen Frauen ausgeprägt ist. Allerdings lässt sich diese starke Verknüpfung für bestimmte Mobilitäts- und Partnerschaftsverläufe auch bei den französischen Frauen (und den deutschen Männern) nachweisen, betonte Dr. Rüger. Instabile Partnerschaften als eine Erklärung für den Zusammenhang zwischen niedriger Fertilität und hoher Mobilität zeigen sich aber nur bei den deutschen Frauen. Insgesamt belegen die Ergebnisse die Wichtigkeit komparativer Ansätze zwischen Ländern, um die kulturellen und strukturellen Bedingungen, die den individuellen Lebenslauf prägen, besser zu verstehen, so Dr. Rüger.

Mobilität bei Müttern und die Bedeutung des Familienkontextes

Wie (hoch)mobile Frauen und Mütter ihre Situation mit Blick auf den Familienkontext wahrnehmen war das Thema im zweiten Vortrag. Hier zeigten die beiden Wissenschaftler, dass sich hochmobile Mütter stärker durch häufiges berufliches Reisen gestresst fühlen und mehr Nachteile in ihrer Mobilität sehen. Darüber hinaus nehmen sie Mobilität deutlich negativer wahr als Männer und kinderlose Frauen. Die Ursachen dafür liegen in der nach wie vor vorhandenen traditionellen Geschlechterrollenverteilung und dem damit einhergehenden immer noch stärkeren Engagement der Mütter bei der Kinderbetreuung und ihren Verpflichtungen im Haushalt. Dabei wirkt sich auch die Lebensform auf die Wahrnehmung der Mobilität aus: So haben Single-Mütter eine positivere Einstellung zu ihrem Mobilitätsverhalten als solche, die mit einem Partner leben. Dies gilt ebenfalls für Mütter mit einer partnerschaftlichen Aufteilung von Familienarbeit und Beruf in ihrer Familie. Wenn der Partner sich allerdings kaum oder gar nicht um die Kinderbetreuung kümmert, wird auch das mobile Leben der Mütter in der Eigenwahrnehmung eher negativ gesehen.

Familienkontext wirkt sich aus

Letztlich zeigen die Resultate auf der Grundlage des Surveys „Job Mobilities and Family Lives“, dass sich die Familiensituation auf die Beurteilung der Mobilitätssituation von Müttern auswirkt – allerdings handelt es sich dabei um eine komplexe Beziehung, in der viele Faktoren eine Rolle spielen. Nach Ansicht von Rüger und Viry bestätigen die gezeigten Ergebnisse die Relevanz des Themas „räumliche Mobilität“ für das bessere Verständnis von Geschlechterungleichheiten und der Balance von Arbeit und Familie.

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