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Wie können Migrationsentscheidungen erforscht werden?

Datum 07.06.2016

Im Rahmen eines Forschungskolloquiums am BiB gab Prof. Dr. Frans Willekens vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung einen Einblick in seine Arbeit zum Thema Migrationsentscheidungen.

Obwohl die Migrationsströme weltweit zunehmen, leben weltweit nur 3 Prozent der Bevölkerung außerhalb ihres Herkunftslandes. Neben Geburten und Sterbefällen bestimmt der Faktor Migration maßgeblich die zukünftige Bevölkerungszahl und –struktur eines Landes. Während in Bevölkerungsvorausberechnungen die Annahmen zur Geburtenhäufigkeit und zur Lebenserwartung sehr belastbar sind, sei die Prognose von Migrationsströmen sehr schwierig, so Willekens zu Beginn seines Vortrags am 2. Juni 2016 am BiB. Er plädierte daher für eine neue Generation von Prognosemodellen, die die Entscheidungsprozesse von einzelnen Migranten stärker in den Blick nehmen, im Sinne einer agentenbasierten Modellierung (ABM). ABM ist ein Computer-Modell, das den Entscheidungsprozess simulieren kann, der stattfindet, wenn Menschen beschließen auszuwandern. Es macht die Faktoren sichtbar, die diese Entscheidung beeinflussen.

Nicht alle Absichten zur Migration würden dann auch umgesetzt, wie neue Ergebnisse der MAFE-Studie zeigen, in denen die Migration zwischen Afrika und Europa untersucht wurde. Anhand der Daten hat Willekens analysiert, welches Ereignis im Lebensverlauf die Migrationsentscheidung beeinflusst. Oft wird nach Finden eines Partners oder der Geburt eines Kindes die Auswanderungsversuche (oft bis zu 5) aufgegeben. Ein weiteres Ergebnis: Menschen mit hohem Bildungsgrad entscheiden sich häufiger auszuwandern.

Das Verstehen von individuellen Migrationsentscheidungen sei auch für Maßnahmen der EU-Migrationspolitik wichtig, so Willekens in seinem Fazit. Diese müsse neben der Verbesserung der wirtschaftlichen und humanitären Situation der Herkunftsländer, auch die Migrationsentscheidung der potentiellen Migranten im Blick haben. Zudem fordert er eine Verbesserung der Datenlage und einen weltweiten Migrationssurvey. Dies würde sowohl der Wissenschaft als auch der Politik zu Gute kommen.

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