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Zwischen Alterung und Nachhaltigkeit – 50. Session der UNCPD

Datum 09.05.2017

Die diesjährige Sitzung der VN-Kommission für Bevölkerung und Entwicklung (CPD) vom 3. bis 7. April 2017 in New York widmete sich dem Zusammenhang zwischen wandelnden Altersstrukturen und nachhaltiger Entwicklung. Als Teil der deutschen Delegation war auch Wissenschaftler Frank Swiaczny vom BiB mit dabei.

Ziel der Veranstaltung war eine Debatte über die Frage, welche Resultate bei der Umsetzung des bei der VN-Weltbevölkerungskonferenz 1994 in Kairo beschlossenen Handlungsprogramms bisher erreicht wurden und welche Herausforderungen weiterhin bestehen. Im Fokus stand hier vor allem der Einfluss der Alterszusammensetzung einer Bevölkerung auf ihre sozioökonomische Entwicklung. In vielen Ländern, in denen derzeit die Zahl der Geburten abnimmt, verändert sich die Altersstruktur zugunsten von Personen im erwerbsfähigen Alter und bildet damit die Grundlage für eine „Demografische Dividende“, wie im Bericht des VN-Generalsekretärs zum Thema „Changing Population Age Structures and Sustainable Development“ deutlich wurde. Die folgenden Diskussionen im Plenum haben sich vor allem mit der Frage beschäftigt, wie diese „Demografische Dividende“ in Zukunft realisiert werden kann. Die Investition in Bildung spielt dabei unter den Rahmenbedingungen eine besonders wichtige Rolle, so der Tenor der Redebeiträge und Expertenvorträge.

Große Bedeutung der Datenqualität für die Analyse von Populationen

In seinem Statement zur Arbeit der VN im Bereich Bevölkerung und Entwicklung bekräftigte Swiaczny als Mitglied der deutschen Delegation im Kommissionsplenum die Bedeutung der Umsetzung des ICPD-Handlungsprogramms für Deutschland. Dabei wies er darauf hin, dass vor allem der Zugang zu akkuraten, zeitnahen und umfassenden Daten wichtig sei, um die Auswirkungen veränderter Altersstrukturen für die Entwicklung von Ländern zu analysieren. Empirische Daten zum demografischen Wandel und evidenzbasierte Analysen von Bevölkerungsdynamiken helfen bei der Entscheidungsfindung der Umsetzung der von der VN festgelegten nachhaltigen Entwicklungsziele, so Swiaczny. Dabei arbeitet Deutschland eng mit den Partnerländern zusammen, um ihre Kapazitäten bei der Durchführung datenbasierter Analysen von Bevölkerungsdynamiken auszubauen. Auch das BiB ist an diesen Aktivitäten im Rahmen einer Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) beteiligt.

Umsetzung sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechte für alle ist das Ziel

In einem von Deutschland und Japan organisierten Side Event unter dem Motto: „Discussing Past Achievements and Future Challenges to ensure SRHR for all“ stand das Thema „Sexuelle und reproduktive Gesundheit und reproduktive Rechte“ im Mittelpunkt. Frank Swiaczny wies als Teilnehmer der Podiumsdiskussion auf die Initiativen und Kooperationen zwischen dem BMZ, der GIZ und 31 Partnerländern hin, um die Familienplanung und Müttergesundheit in den weniger entwickelten Ländern zu fördern. Diese Kooperationen haben bereits einiges erreicht: So sind durch sie 9 Millionen Paare in der Lage, moderne Verhütungsmethoden zu benutzen und sich über diese Möglichkeit zu informieren, erklärte Swiaczny. Mehr als 1,7 Millionen Geburten wurden medizinisch begleitet und 2.771 Hebammen sowie Geburtshelfer ausgebildet. Ein besonderes Interesse gilt dabei der Jugend, die eine besonders verwundbare Gruppe darstellt. So werden in den weniger entwickelten Ländern jährlich 7,3 Millionen Kinder geboren, deren Mütter unter 18 Jahre alt sind. Diese sind besonders gefährdet, schließlich zählen Schwangerschaft und Geburt in diesen Ländern zu den häufigsten Todesursachen bei den jungen Frauen und Mädchen. Zudem ist die Zahl der Neuinfektionen von sexuell übertragbaren Krankheiten bei jungen Menschen am höchsten.

Keine Einigung über abschließende Resolution

Trotz intensiver Debatten und Verhandlungen konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 50. Sitzung der VN-Kommission – zum zweiten Mal in der Geschichte – mangels eines für alle tragbaren Kompromisses auf keine abschließende Resolution einigen. Als Alternative wurde ein „Chair‘s Summary“ zum Zusammenhang zwischen wandelnden Altersstrukturen und nachhaltiger Entwicklung veröffentlicht. Grund für den ergebnislosen Ausgang der Kommission waren gegensätzliche Positionen der Verhandlungspartner vor allem zum Thema sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte. Als Reaktion auf das Verhandlungsergebnis hat eine Koalition aus 31 Staaten, inklusive Deutschlands, ein gemeinsames, überregionales Statement veröffentlicht, in dem die Bedeutung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte für die nachhaltige Entwicklung betont und die Verpflichtung zur weiteren Umsetzung der ICPD-Ziele betont wurde.

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