Navigation und Service

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Lebendgeburt, Totgeburt und Fehlgeburt

In der deutschen Verordnung zur Ausführung des Personenstandsgesetzes (Kapitel 5, § 31) wird von einer Lebendgeburt gesprochen, wenn bei einem Neugeborenen nach der Trennung vom Mutterleib entweder das Herz geschlagen oder die Nabelschnur pulsiert oder die natürliche Lungenatmung eingesetzt hat. Wenn keines der drei genannten Merkmale des Lebens aufgetreten ist, jedoch das Gewicht des Kindes mindestens 500 Gramm beträgt, gilt es als Totgeburt (im Sinne von § 21 Abs. 2 des Gesetzes). Hat sich keines der drei Merkmale gezeigt und beträgt das Geburtsgewicht weniger als 500 Gramm, handelt es sich um eine Fehlgeburt, welche nicht in den Personenstandsregistern beurkundet wird.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt in ihrer Definition gar noch ein viertes Lebensmerkmal: Die Bewegung willkürlicher Muskeln. Demnach wird von einer Lebendgeburt gesprochen, wenn (mindestens) eines der vier Merkmale erkennbar ist. Diese Definition findet z. B. in Österreich Anwendung.

Wie Lebend- und Totgeburten definiert sind, hat einen erheblichen Einfluss auf deren registrierte absolute Anzahl und somit auch auf die Höhe entsprechender demografischer Kennziffern wie die Säuglings- und Perinatalsterblichkeit. So hat beispielsweise die letzte Definitionsänderung in Deutschland im Jahr 1994, als das Mindestgeburtsgewicht für eine Totgeburt von 1.000 auf 500 Gramm herabgesetzt wurde, eine Erhöhung der Anzahl registrierter Totgeburten sowie der Darstellung der Perinatalsterblichkeit bewirkt.

Des Weiteren sind die Definitionen weltweit nicht einheitlich. So sind die Kriterien für eine Klassifikation als Lebend- oder Totgeburt in vielen Ländern deutlich restriktiver als in Deutschland. Wenn ein Neugeborener verstirbt, entscheiden beispielsweise in Ländern wie Frankreich, Norwegen, Polen oder Tschechien neben den Lebensmerkmalen auch noch Mindestwerte für die Schwangerschaftsdauer und das Geburtsgewicht, ob dieser als Lebend-, Tot- oder Fehlgeburt eingeordnet wird. In der ehemaligen DDR mussten von 1957 bis zur deutschen Einheit bei einem Neugeborenen nicht eines, sondern mindestens zwei der drei Lebensmerkmale beobachtet werden, um diesen als Lebendgeburt zu klassifizieren. Je mehr Kriterien angewendet werden, desto niedriger fällt die Darstellung der Säuglings- und/oder Perinatalsterblichkeit aus. Verschiedene Definitionen erschweren dementsprechend die internationale Vergleichbarkeit dieser Ziffern.

Definitionsänderungen in Deutschland zur Abgrenzung von Tot- und Fehlgeburten:

Seit 01.04.1994Mindestgeburtsgewicht einer Totgeburt: 500 Gramm
01.07.1979 -
31.03.1994
Mindestgeburtsgewicht einer Totgeburt: 1.000 Gramm
19.05.1938 -
30.06.1979
Kriterium für eine Totgeburt: Körperlänge von mindestens 35 cm


Änderungen der Definition von Lebendgeburt in Deutschland:

Seit 1958 (BRD)Mindestens eines der drei Lebensmerkmale (siehe oben)
1957-1990 (DDR)Kriterium: zwei Merkmale (Herzschlag und Lungenatmung)
1938-1957/1958Kriterium: Einsetzen der natürlichen Lungenatmung

Alternativ

Diese Seite

© Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung - 2017