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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Materialienband 127

Annelene Wengler, Heike Trappe und Christian Schmitt:
Partnerschaftliche Arbeitsteilung und Elternschaft
Analysen zur Aufteilung von Hausarbeit und Elternaufgaben auf Basis des Generations and Gender Survey

Heft 127: Materialien zur Bevölkerungswissenschaft des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (2008)

Arbeiten im Haushalt und Kinderbetreuung sind immer noch überwiegend Frauensache. Zwar streben Paare zunehmend eine gleichmäßigere Aufgabenteilung an, in der Praxis ist das tradierte Rollenverständnis zwischen Mann und Frau jedoch noch weit verbreitet. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die im Auftrag des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (Wiesbaden) von einem Forscherteam um Prof. Dr. Heike Trappe (Universität Rostock) bearbeitet wurde.

Nach der Studie übernehmen Frauen weiterhin den größten Teil an Hausarbeiten und Elternaufgaben. Der Grad der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern hängt vornehmlich von drei Faktoren ab: Von der Berufstätigkeit der Frau, von ihrem Beitrag zum Haushaltseinkommen und von der persönlichen Einstellung der Partner:

  • So steigt mit dem beruflichen Engagement der Frau auch die Bereitschaft des Partners, sich an den Aufgaben zuhause zu beteiligen. Frauen übernehmen aber auch dann noch den Großteil der Aufgaben im Haushalt und bei der Kindererziehung, wenn sie in Vollzeit berufstätig sind.
  • Je mehr die Frau zum Haushaltseinkommen beiträgt, umso eher kann sie zuhause Aufgaben an den Partner abgeben. In einer Partnerschaft, in der die Frau weniger als ein Drittel des Einkommens ihres Partners verdient, sagen 85 % der Männer und 98 % der Frauen, dass vornehmlich die Frau die Elternaufgaben übernimmt. Verdient die Frau aber mehr als ihr Partner, sehen nur noch 50 % der Männer und 79 % der Frauen eine solche ungleiche Verteilung der Arbeiten. Gleiche Einkommen von Männern und Frauen bewirken offensichtlich auch eine gleichmäßigere Aufgabenverteilung.
  • Individuellen Rollenvorstellungen kommt eine entscheidende Bedeutung zu: Paare mit Einstellungen, die an Gleichberechtigung orientiert sind, leben tendenziell auch eine ausgeglichenere Aufgabenverteilung.

Neben den genannten Faktoren beeinflussen weitere Determinanten die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau. So spielen Art und Dauer des Zusammenlebens eine wichtige Rolle: Während Paare in nichtehelichen Lebensgemeinschaften eher zu einer ausgewogenen Arbeitsteilung neigen, findet man mit zunehmender Dauer des Zusammenlebens immer häufiger eine Rollenverteilung nach traditionellem Muster. Diese Tendenz wird durch Kinder im Haushalt noch verstärkt. Wenn Kinder da sind, übernehmen Frauen wieder „typisch weibliche“ Aufgabenbereiche wie Mahlzeiten zubereiten, Geschirr spülen, Einkaufen und Staubsaugen. Dabei spielen Zahl und Alter der Kinder nur eine untergeordnete Rolle; die „traditionelle“ Aufgabenverteilung scheint sich also schon mit dem ersten Kind einzustellen.

Bei der Aufgabenverteilung zwischen Mann und Frau gibt es allerdings regionale Unterschiede. So geben die Befragten in den neuen Bundesländern eine ausgeglichenere Aufteilung der Routine-Hausarbeiten an als in den alten Bundesländern - im Osten werden also etwas mehr Aufgaben vom Mann übernommen als im Westen.

Die Untersuchung zeigt aber auch, dass äußere Faktoren die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau beeinflussen können. So neigen Paare stärker zur gleichmäßigeren Aufteilung von Elternaufgaben, wenn sie durch soziale Netzwerke – Freunde, Familie, öffentliche Einrichtungen – in der Kinderbetreuung unterstützt werden.

Die Veröffentlichung entstand im Rahmen des Generations and Gender Survey (GGS), einer international vergleichenden Paneluntersuchung mit dem Ziel, aktuelle Daten zu Familienbeziehungen in Industrieländern zu gewinnen. Weitere Informationen zum GGS als auch weiteren Veröffentlichungen finden Sie hier.

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