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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Materialienband 116

Eckart Bomsdorf und Bernhard Babel:
Deutschlands Millionenstädte im demografischen Wandel
Fakten und Perspektiven bis 2040

Heft 116: Materialien zur Bevölkerungswissenschaft des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (2005)

Der demografische Wandel macht auch vor Deutschlands Städten und Gemeinden nicht Halt. Während bei der Untersuchung der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland zumeist die Folgen für die sozialen Sicherungssysteme im Vordergrund stehen, gibt es bei einer auf der Ebene von Städten und Gemeinden vorgenommenen Betrachtung andere Schwerpunkte. Eine Veränderung des Bevölkerungsumfangs und der Altersstruktur der Bevölkerung hat unmittelbar Auswirkungen auf kommunalpolitische Entscheidungen. Als Beispiel seien hier nur Entscheidungen über die Anzahl der benötigten Kindergartenplätze, der benötigten altengerechten Wohnungen bzw. der benötigten Krankenhausbetten genannt.

Die Schwierigkeiten bei der Durchführung einer sachgerechten Modellrechnung der Bevölkerungsentwicklung verhalten sich vereinfacht gesagt umgekehrt proportional zum Umfang der Bevölkerung einer Region. Aussagen für großräumige Regionen sind zuverlässiger als für kleinräumige. Zusätzlich gilt, dass die Qualität einer Vorausberechnung mit der Feinheit der gewünschten strukturellen Daten sinkt. Um derartige Modellrechnungen überhaupt vornehmen zu können, müssen Annahmen über die Fertilität, die Mortalität und die Migration gemacht werden. Damit wird die zukünftige Entwicklung der Anzahl der Neugeborenen und der Gestorbenen sowie der Umfang der Wanderungen festgelegt. Derartige Annahmen basieren regelmäßig auf Werten aus der Vergangenheit, die für kleine Regionen zum einen schwierig zu erhalten und zum anderen in ihrer Prognosequalität nicht so gut wie für große Regionen sind. Fertilitätsraten und Sterbewahrscheinlichkeiten unterliegen beispielsweise in kleinen Regionen stärkeren Zufallsschwankungen als in größeren.

Die existierenden Untersuchungen für kleinere Regionen beschränken sich meist auf Zeiträume bis maximal 2025 bzw. auf weniger Varianten hinsichtlich der Annahmen als die hier vorgelegte Studie. Als Beispiele seien hier erwähnt die Raumordnungsprognose des Bundesamtes für Bauordnung und Raumwesen (2004) und die auf Berechnungen des Bundesamtes für Bauordnung und Raumwesen aufbauende Studie von Kröhnert, van Olst und Klingholz (2004) sowie die im Literaturverzeichnis angeführten Modellrechnungen für die Städte Berlin, Hamburg, München und Köln, die alle einen wesentlich kürzeren Zeitraum als die im Folgenden vorgestellte Untersuchung umfassen. Einen längeren Zeithorizont umfassende Betrachtungen existieren beispielsweise für Deutschland und seine Bundesländer (vgl. u.a. Birg 2001, Höhn 2000, Statistisches Bundesamt 2003, Ragnitz 2004). Der demografische Wandel und seine Folgen waren zudem jahrelang Thema einer Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages. Die Ergebnisse der Arbeit dieser Kommission wurden in einem 2002 erschienenen Schlussbericht zusammengefasst (vgl. Deutscher Bundestag 2002). (Einführung der Autoren)

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