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Materialienband 102e

Juliane Roloff:
Der Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand und Veränderungen des Gesundheitszustandes

Heft 102e: Materialien zur Bevölkerungswissenschaft des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (2004)

In der gerontologischen Forschung gibt es seit langem Untersuchungen zu Problemen der Pensionierung. So lassen sich nach Mayring (2000) drei Zeitphasen der Pensionierungsforschung fassen:

  • "In den 50er und 60er Jahren überwogen Arbeiten, die auf das Problem des Überganges in den Ruhestand hinweisen wollten und die negativen Aspekte herausstellten.
  • In den 70er und früheren 80er Jahren wurde an großangelegten Längsschnittstudien, vor allem in den USA, gezeigt, dass nur eine Minderheit (höchstens ein Drittel der Personen) Schwierigkeiten mit der Pensionierung hat.
  • Seit den späten 80er Jahren bis heute versucht man stärker die differentiellen Aspekte herauszuarbeiten, also zu zeigen, welche Personen unter welchen Bedingungen in der Pensionierung Gewinne oder Verluste erleben."

Gerade letzterem folgt auch die vorliegende Analyse "Der Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand und Veränderungen des Gesundheitszustandes". Anhand des Lebenserwartungssurveys, ein derzeitig am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung laufendes Forschungsprojekt zum Thema "Lebensstile und ihr Einfluss auf Gesundheit und Lebenserwartung" wird hinterfragt, inwieweit der Übergang vom zumeist recht langen Erwerbsleben in den Ruhestand zu Veränderungen in der subjektiven Bewertung des Gesundheitszustandes führt. Zudem gilt es zu untersuchen, inwieweit Zusammenhänge zwischen der früheren Branchenzugehörigkeit, beruflichen Stellung (Arbeiter, Angestellte, Beamte, Selbstständige), beruflichen Tätigkeit sowie zwischen früheren Arbeitsbelastungen (z.B. lange tägliche Arbeitszeiten, körperlich schwere Arbeit, hohe Verantwortung für Menschen u.a.m.) und dem Gesundheitszustand im Ruhestand gegeben sind.

Die Untersuchung soll mit dazu dienen, den in der breiten Öffentlichkeit noch vielfach anzutreffenden Versionen vom "Pensionierungsschock" oder gar "Pensionierungstod" entgegen zu treten. Bereits andere, frühere Untersuchungen konnten hierfür keine eindeutigen empirischen Befunde erbringen (vgl. u.a. Mayring 2000: 2, Amann 1990, v. Rosenstiel 1994).

Bei der Interpretation der Ergebnisse des vorliegenden Forschungsberichtes muss jedoch bedacht werden, dass der "Übergang in die Pension kein Ereignis für sich ist, sondern eine Veränderung im gesamten Lebenskontext mit einschneidenden Umgewichtungen in den äußeren Dispositionsspielräumen von Arbeit/Beruf/Familie und Privatheit, die auch erheblich geänderte Koordinationsleistungen gegenüber früher verlangen" (Amann 1990: 19). Und dies muss nicht unbedingt negative Effekte auf das Gesundheitsempfinden, auf den Gesundheitszustand der in den Ruhestand gegangenen, ehemals am Erwerbsleben Beteiligten haben, was anhand der folgenden Analyse belegt werden soll. (Aus der Einleitung)

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