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Materialienband 101

Materialien zur Bevölkerungswissenschaft, Heft 101, 2000

Hartmut Wendt und Andreas Heigl (Hrsg.):
Ausländerintegration in Deutschland

Die 2. Tagung des Arbeitskreises "Migration – Integration – Minderheiten" der Deutschen Gesellschaft für Bevölkerungswissenschaft (DGBw) fand im Oktober 1999 in Berlin statt. Die Organisatoren hatten sich zum Ziel gesetzt, nach einer thematischen Überblicksveranstaltung im Vorjahr (veröffentlicht in den Materialien zur Bevölkerungswissenschaft, Band 94) das Themenfeld der Integration zu behandeln und luden dazu gezielt Referenten ein, um aus der Sicht ihrer Disziplin Probleme und Chancen der Integration von Zuwanderungspopulationen zu beleuchten. Dabei sollten bewusst die nationalen Grenzen überschritten werden um vergleichende Aspekte der Integrationsprozesse zu behandeln. Mit der Gewinnung von Referenten aus Frankreich und der Schweiz ist dies auch ein Stück weit gelungen.

Das Einleitungsreferat von Hartmut Wendt erörtert – bezugnehmend auf die aktuelle politische Diskussion und ausgehend von der demographischen Situation in Deutschland - die Notwendigkeit einer regulierten Zuwanderung, die auch stets die Integration der Einwanderer zu implizieren hat.

Der Beitrag der Ausländerbeauftragten von Berlin, Frau Barbara John, stellt das Berliner Konzept der Ausländerintegration vor. Sie veranschaulicht am Beispiel Berlin Integrationsmaßnahmen, die den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern und ein kulturelles Miteinander sowie die Teilhabe am politischen Leben ermöglichen.

Hartmut Häußermann postuliert aus der Sicht des Stadtsoziologen eine Krise der "europäischen Stadt" und diskutiert neue bzw. "vormoderne" Formen urbaner Integration. Er erörtert zwei theoretische Ansätze der Integration (Simmel und Park) und hebt abschließend die Bedeutung der sozialen Integration für die Zukunft der Stadt hervor.

Die empirisch ausgerichtete Analyse von Alois Weidacher ist auf die soziokulturellen und politischen Orientierungen ausgewählter ethnischer Gruppen fokussiert und kommt zu dem Schluss, dass eine hohe Ähnlichkeit in politischen Einstellungen der Befragten unterschiedlicher Nationalitäten festzustellen ist, die sich insbesondere in der Zustimmung zu demokratischen Prinzipien einer politischen Ordnung zeigen würde. Allerdings sind Mehraufwendungen gerade im Bildungsbereich notwendig, um eine statusgleiche Eingliederung für die Kinder von Migrantenfamilien zu ermöglichen.

Die Integration der Türken in Deutschland ist das Thema des Beitrages von Andreas Goldberg. Die Ergebnisse einer Telefonbefragung von türkischstämmigen Migranten weisen auf die Widersprüchlichkeit, ja Gegensätzlichkeit der Ergebnisse der Integrationsprozesse hin. Während auf der negativen Seite vor allem die schlechte Bildungs- und Ausbildungssituation und damit der niedrige sozioökonomische Status stehen, sind die ausgeprägten Kontakte der Türken zu Deutschen sowie die hohe Zahl an Einbürgerungsinteressierten als positive Aspekte der Integration zu werten.

Oliver Hämming stellt die Ergebnisse einer repräsentativen Telefonbefragung unter türkischen und italienischen jungen Erwachsenen der zweiten Ausländergeneration sowie schweizerischer junger Erwachsener im Kanton Zürich vor. Auch hier wird deutlich, dass junge Erwachsene der zweiten Einwanderergeneration im Vergleich mit gleichaltrigen "Einheimischen" schlechter abschneiden. Gerade die zweite Ausländergeneration ist als strukturell unterprivilegiert und desintegriert zu bezeichnen. Die Folge ist erhöhte individuelle Anomie, die mit Statusfrustration, Deprivation sowie normativer Desorientierung einhergeht und sich in Aggressivität, Depressivität sowie geringem Selbstwertgefühl äußert.

Einen interessanten Einblick in das Verhältnis Frankreichs zu seinen Immigranten gewährt Frau Anne Dumasy. Unter dem Aspekt eines Vergleichs zwischen Frankreich und Deutschland wird das französische Staatsbürgerschaftsrecht in seiner rechtsgeschichtlichen Tradition erläutert. Trotz Staatsbürgerschaft – seit 1973 wird die Staatsbürgerschaft automatisch bei der Geburt gewährt – sind Ausländer, und hier wiederum insbesondere Maghrebiner (die so genannten "Beurs"), oft Zielgruppe der Ausgrenzung. Die Folgen dieser Ausgrenzung, die Gewalt in den Vorstädten (La violence urbaine) werden anschaulich geschildert.

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