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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Anja Steinbach (2009)

Die häusliche Aufgabenteilung bei Paaren mit türkischem Migrationshintergrund und einheimischen deutschen Paaren im Vergleich*

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 34, 1-2/2009, S. 79-104, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398, DOI: 10.1007/s12523-010-0034-1

In Bezug auf die häusliche Arbeitsteilung in Partnerschaften und Familien haben in den letzten Jahren in der Bundesrepublik Deutschland erhebliche Forschungsaktivitäten stattgefunden. Allerdings fanden Personen mit Migrationshintergrund bei diesen Untersuchungen bislang ausgesprochen selten Beachtung, insbesondere fehlt ein Vergleich zwischen Migranten und einheimischen Deutschen. Aus diesem Grund ist auch weitgehend ungeklärt, ob und inwieweit die vorliegenden Ergebnisse zur häuslichen Aufgabenteilung für alle in Deutschland lebenden Paare verallgemeinert werden können. Diese Erkenntnislücke ist vor allem deshalb erheblich, weil damit ein großer Anteil der Bevölkerung Deutschlands nicht berücksichtigt wird. In diesem Beitrag sollen deshalb Paare mit türkischem Migrationshintergrund – als Angehörige der größten Migrantengruppe wie auch als Angehörige der Migrantengruppe mit den vermeintlich größten kulturellen Unterschieden – in Bezug auf die häusliche Aufgabenteilung betrachtet und mit einheimischen Deutschen verglichen werden. Für die Datenanalyse werden außer den Angaben der Befragten aus der Hauptuntersuchung der ersten Welle des GGS (2005) auch die Angaben der Befragten der Zusatzerhebung türkischer Staatsangehöriger (2006) herangezogen. Dabei steht zunächst die Frage im Vordergrund, ob sich türkische Paare und einheimische deutsche Paare in der Ausgestaltung ihrer Partnerschaften hinsichtlich der häuslichen Aufgabenteilung voneinander unterscheiden. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen in Partnerschaften mit türkischem Migrationshintergrund mehr Hausarbeit verrichten als einheimische deutsche Frauen. Die multivariaten Modelle bestätigen zunächst diesen Unterschied, auch wenn für verschiedene soziodemografische Merkmale der Befragten und ihrer Partner kontrolliert wird. Führt man jedoch zusätzlich den Institutionalisierungsgrad der Partnerschaft in das Modell ein und berücksichtigt man darüber hinaus die Geschlechterrollenorientierung, das Ausmaß der Teilnahme an religiösen Veranstaltungen sowie den Anteil der Frauen an Entscheidungen in der Partnerschaft, kehrt sich der Effekt sogar um: Die Unterschiede zwischen türkischen und deutschen Paaren in Bezug auf die häusliche Arbeitsteilung sind also auf die partnerschafts- und familienverlaufsbedingte Situation sowie das Ausmaß traditioneller Wertvorstellungen zurückzuführen.

* begutachteter Beitrag

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