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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Frank Micheel und Robert Naderi (2009)

Subjektive Einschätzung der ökonomischen Lage älterer Türkinnen und Türken im Zusammenhang mit ihrer sozialen Einbindung*

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 34, 1-2/2009, S. 165-198, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398, DOI: 10.1007/s12523-010-0037-y

Ziel dieses Beitrags ist es, die subjektive Einkommenssituation von älteren, in Deutschland lebenden türkischen Migranten (55 bis 79 Jahre) im Zusammenhang mit ihrer sozialen Einbindung und im Vergleich zu gleichaltrigen Deutschen ohne Migrationshintergrund zu untersuchen. Hintergrund ist die Feststellung, dass die Einkommenssituation von Türkinnen und Türken, gemessen am Nettoäquivalenzeinkommen, deutlich schlechter ist als die der deutschen Befragten. Auf der anderen Seite existiert eine nicht zu vernachlässigende Gruppe bei den befragten Türkinnen und Türken, die angibt, mit den verfügbaren Haushaltseinkommen gut zurechtzukommen. Welche Faktoren können diese Inkonsistenz bezüglich der objektiven Lage und der subjektiven Einschätzung erklären? Können soziale Netzwerke Defizite aus der Einkommenssituation kompensieren, oder sind eher kumulative Effekte zu erwarten? Als theoretisches Erklärungsmuster wurde auf das Konzept des Sozialkapitals zurückgegriffen. Folgende drei Einflussfaktoren hinsichtlich der subjektiven Wahrnehmung der Einkommenssituation lassen sich vermuten und stehen gleichsam als Hypothesen auf dem Prüfstand: (1) Die Einbettung in familiäre Netzwerke; (2) Der emotionale Ausdruck sozialer Einbettung; (3) Allgemeines Vertrauen in Menschen. Datengrundlage ist die erste Welle des Generations and Gender Survey (GGS). Verwendet werden die Hauptbefragung von rund 10.000 im Jahr 2005 repräsentativ erhobenen deutschsprachigen Personen und die Zusatzerhebung aus dem Jahr 2006 von rund 4.000 türkischen Staatsbürgern in Deutschland. Multivariate Analysen zeigen zwei deutliche Ergebnisse: Erstens spielt die Höhe des Einkommens eine wichtige Rolle bei der subjektiven Bewertung der finanziellen Haushaltssituation, was jedoch nicht überraschen sollte. Zweitens weist die subjektive Einschätzung der sozialen Einbettung einen signifikanten Effekt auf die Beurteilung der Einkommenssituation auf. Das zentrale Ergebnis ist, dass soziale Netzwerke für ältere Türkinnen und Türken im Hinblick auf die Kompensation von ökonomischen Nachteilen wichtiger sind als für ältere Deutsche.

* begutachteter Beitrag

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