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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Michael Sutton (2008)

Der Zweite Demographische Übergang: Gibt es eine gängige Meinung?*

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 33, 3-4/2008, S. 247-270, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398, DOI: 10.1007/s12523-009-0016-3

Eine Fertilität unterhalb des Bestanderhaltungsniveaus ist in allen Industrieländern aufgetreten, allerdings gibt es keinen Konsens über die Ursachen, Konsequenzen und möglichen Lösungen. Singuläre Erklärungen bleiben kontrovers und die Schwierigkeiten staatliches Handeln als Bevölkerungspolitik zu interpretieren zeigen die Schwäche nationaler Modelle, Fertilität unterhalb des Bestanderhaltungsniveaus zu erklären. Es ist zwar möglich, die akademische und offizielle Literatur thematisch zu klassifizieren, es ist aber außerdem erforderlich, einen neuen konzeptionellen Rahmen zu entwickeln. Ausgangspunkt ist das Erkennen von zwei Reaktionen von Regierungen auf niedrige Fertilität. Die „fiscal confidence“ Reaktion tritt für ökonomische und fiskalische Politiken ein, um die beginnende Alterung einer Bevölkerung zu bewältigen, das schließt die sozialer Sicherungssysteme, Einwanderung und Produktivitätszuwächse ein. Diese Reaktion betrachtet demographische Ziele und die Einmischung in Themen wie die Wahl des Zeitpunkts der Heirat als unvereinbar mit modernen Werten. In einer modernen Gesellschaft müssen Politiken komplex sein, obschon ihr genauer Einfluss schwierig zu schätzen ist. Die „social cohesion“ Reaktion sucht Fertilität direkt zu beeinflussen, indem sie an Frauen appelliert, ihre patriotische Pflicht zu erfüllen, jünger zu heiraten und mehr Kinder zu bekommen. Fertilitätsrückgang wird als eine Bedrohung des sozialen Zusammenhalts betrachtet, aber politische Instrumente wie Einwanderung werden als unnötig und unerwünscht angesehen, weil sie die nationale Identität unterminieren. Beide Antworten sind in unterschiedlicher Form bei vielen Regierungen präsent. Sie repräsentieren nicht nur konkurrierende Sichtweisen des Zweiten Demographischen Übergangs, sondern auch der Rolle des Staates und der Bürger in einer modernen Gesellschaft. Berücksichtigt werden Industrieländer in Europa und Nordamerika und besondere Aufmerksamkeit wird ostasiatischen Ländern wie Japan gewidmet.

* begutachteter Beitrag (englischer Volltext: The Second Demographic Transition: Is There A Conventional Wisdom?)

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