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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Franz-Josef Kemper (2008)

Wohnmobilität in Ost- und Westdeutschland: Mobilitätsraten, Mobilitätsgründe, Reurbanisierung*

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 33, 3-4/2008, S. 293-314, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398, DOI: 10.1007/s12523-009-0018-1

Die Prozesse der Wohnmobilität verliefen in Ost- und Westdeutschland vor der Vereinigung sehr verschiedenartig, und bis Mitte der 1990er Jahre waren noch erhebliche Unterschiede zwischen beiden Teilgebieten festzustellen. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre kam es dann aufgrund einer Welle der Wohnsuburbanisierung und von hoher Neubautätigkeit sowie von Renovierungen in den neuen Ländern zu einem starken Anstieg der Mobilitätsraten. Nach 2000 scheinen beide Landesteile durch einen neuen Prozess der regionalen Umverteilung der Bevölkerung zugunsten der Kernstädte bestimmt zu sein, der als Reurbanisierung bezeichnet wird. Es könnte daher erwartet werden, dass es eine Anpassung der Mobilitätsprozesse im Osten an die entsprechenden Prozesse im Westen gegeben hat und dass ehemalige Ost-West-Unterschiede keine Bedeutung mehr haben. Diese erste allgemeine Hypothese wird untersucht anhand von Indikatoren der Mobilitätsraten, der Wanderungsgründe und der Attraktivität von städtischen Formen des Wohnens und der Quartiere. Demgegenüber bezieht sich eine zweite Hypothese auf Pfadabhängigkeiten der regionalen Mobilitätsprozesse. Auf der Basis von vergangenen und gegenwärtigen Unterschieden im Wohnungsbestand und im Wohnungsneubau können einige Differenzierungen in der Wohnmobilität durchaus noch erwartet werden. Diese Forschungsfragen werden anhand von Daten aus dem deutschen Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass ehemalige Differenzen in den Mobilitätsraten seit den späten 90er Jahren nicht mehr existieren und dass für die Motivstrukturen Konvergenzen festzustellen sind. Ähnliche Resultate ergeben sich für den jüngeren Trend der Reurbanisierung, denn ein Wandel zu mehr urbanen Formen des Wohnens und der Nachbarschaften ist gleichermaßen in Ost- wie in Westdeutschland zu beobachten. Aber selbst wenn die durchschnittlichen Muster der Wohnmobilität ähnlich sind, legen die Ergebnisse nahe, dass in Ostdeutschland größere regionale und sozio-ökonomische Disparitäten der Mobilität als im Westen existieren. So variieren die Mobilitätsraten nach der Siedlungsstruktur in den neuen Ländern weitaus stärker als in den alten und der Einfluss des Einkommens auf die Wohnmobilität ist deutlich höher.

* begutachteter Beitrag (englischer Volltext: Residential Mobility in East and West Germany: Mobility Rates, Mobility Reasons, Reurbanization)

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