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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Andrea Dittrich-Wesbuer, Stefanie Föbker und Frank Osterhage (2008)

Demographischer Wandel und Wanderungen in Stadtregionen: Ergebnisse aus zwei deutschen Fallstudien*

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 33, 3-4/2008, S. 315-350, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398, DOI: 10.1007/s12523-009-0019-0

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels wird den Wohnstandortentscheidungen sowohl von älteren Menschen als auch Familien mit Kindern zunehmend mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Für Ältere versprechen Quartiere mit höherer Wohndichte und mit einem guten Dienstleistungsangebot verschiedene Vorteile, Familien mit Kindern werden dagegen vielfach als klassische Träger der Suburbanisierung gesehen. Auch für diese Gruppe gibt es jedoch Argumente für zentrale Wohnstandorte. Dieser Artikel untersucht die Wanderungen beider Gruppen, insbesondere im Hinblick auf potentielle Trends hin zu einer Re-Urbanisierung. Zu diesem Zweck betrachten die Autoren die Wanderungsmuster in Stadtregionen sowohl von Älteren als auch Familien mit Kindern und untersuchen die Kriterien, die diese der Entscheidung zugrunde legen, wo sie leben wollen, sowie die Typen von Wohnquartieren, die sie wählen. Die Forschungsfragen werden in einem vergleichenden Ansatz untersucht, der auf zwei unterschiedlich strukturierte Stadtregionen zielt. Das Bergische Land ist ein Beispiel einer “schrumpfenden” städtischen Region, im Gegensatz dazu ist die Region Bonn prosperierend. Die Studie basiert auf vier Modulen: einer Analyse der Wanderungsströme, basierend auf amtlichen Statistiken; einer standardisierten Befragung per Post; Interviews mit Befragten nach einem erfolgten Umzug und einer regionalisierten Klassifikation von Raumtypen. Die Analyse zeigt, dass die Wanderungen von älteren Menschen nur einen kleinen Teil des Wanderungsgeschehens in Stadtregionen ausmachen. Ältere verfügen über viele Bindungen, die einem Umzug entgegenstehen. Sie haben zudem hohe und komplexe Ansprüche an ihren neuen Wohnort. Auch wenn einige dieser Ansprüche sich an Standorten mit hoher Dichte besonders gut realisieren lassen, so ist es nicht möglich, eine deutliche Ausrichtung auf städtische Nachbarschaften zu identifizieren. Die niedrigen Wanderungsraten bei dieser Bevölkerungsgruppe stellen jedoch für die Zukunft ein Potential dar, das mobilisiert werden kann, wenn passende Wohnangebote verfügbar gemacht werden. Familien mit Kindern machen einen deutlich größeren Anteil am Wanderungsgeschehen in Stadtregionen aus. In Bezug auf die Kriterien, die die Wohnstandortwahl beeinflussen, ist diese Gruppe heterogener. Im Fall von Familien mit Kindern im Vorschul- oder Grundschulalter stellen die Bedürfnisse der Kinder den Hauptfokus dar. Wie zu erwarten, gibt es keine erkennbare Präferenz für städtische Standorte. In der Region Bergisches Land gibt es jedoch einen deutlichen Zusammenhang zwischen Einkommen und Wohnstandort: Familien mit niedrigem Einkommen ziehen signifikant häufiger in städtische Nachbarschaften als Familien mit hohem Einkommen. Ungeachtet solcher regionalspezifischer Unterschiede zeigt der Vergleich der beiden Regionen, dass das Wanderungsgeschehen gemeinsamen Grundmustern folgt.

* begutachteter Beitrag (englischer Volltext: Demographic Change and Migration in City Regions: Results from Two German Case Studies)

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