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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Frank Swiaczny, Philip Graze und Claus Schlömer (2008)

Räumliche Einflüsse des demographischen Wandels in Deutschland – Neue Betrachtung urbaner Bevölkerungsprozesse*

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 33, 2/2008, S. 181-206, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398, DOI: 10.1007/s12523-009-0010-9

Deutschland ist gegenwärtig auf dem Weg in eine Gesellschaft mit einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung. Dies ist Folge der seit mehr als 30 Jahren extrem niedrigen Fertilität. Mit einer alternden Bevölkerung und deren Präferenz für „ageing in place“ geht der starke Einfluss der Binnenwanderung auf die räumliche Differenzierung der Bevölkerungsstrukturen zurück und internationale Wanderungsgewinne der urbanen Zentren werden in Zukunft wichtiger werden. Damit könnten urbane Zentren demographisch von jungen Migranten profitieren, während in suburbanen Räumen die schnelle Alterung nicht mehr durch einen kontinuierlichen Zustrom von umziehenden Familien kompensiert würde und ländliche Räume neben ihrer schnellen Alterung steigende Wanderungsverluste entwickeln könnten. Der Artikel gibt eine Zusammenfassung des gegenwärtigen demographischen Wandels in Deutschland und den daraus resultierenden zunehmenden räumlichen Disparitäten der Bevölkerungsstrukturen, basierend auf den neuesten räumlichen Prognosen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Die Einleitung beinhaltet eine ausführliche Dokumentation der deutschen Forschungsliteratur zum Thema. Der Hauptteil beschreibt die räumlichen Alterungsmuster und analysiert die präsentierte Umkehr des Alterungsprozesses der urbanen, suburbanen und ländlichen Kreise als eine Folge der Bevölkerungsalterung. Die Bevölkerungsdynamik von Regionen, die besonders anfällig für den Effekt des „ageing in place“ sind, werden anhand von zwei Beispielen im Detail untersucht: suburbane Kreise im Westen und ländliche Kreise im Osten. Abschließend werden die Ergebnisse in den Kontext der aktuellen Diskussion der Frage gestellt, ob Deutschland an der Schwelle zu einem „revival of the city“ oder einem Reurbanisierungsprozess steht. Das gängige Verständnis, dass urbane Zentren demographisch älter sind als die umliegenden Regionen wird, im Lichte der Erkenntnis zu „ageing in place“-Prozessen und der Umkehr von Alterungsmustern, im vorliegenden Artikel überprüft. Ein statistischer Nachweis einer Reurbanisierung, gemessen am Bevölkerungswachstum durch Wanderungsgewinne, ist dabei (noch) nicht möglich. Auch wenn die Bevölkerung von urbanen Zentren in den letzten Jahren als Folge von Zuwanderung leicht gestiegen ist, bleibt Suburbanisierung der dominante Trend. Dennoch, wenn positive Wanderungsgewinne von urbanen Zentren und der Rückgang der Suburbanisierung anhalten, wird der Umkehrungsprozess der Alterung zusätzliches Momentum gewinnen.

* begutachteter Beitrag (englischer Volltext: Spatial Impacts of Demographic Change in Germany – Urban Population Processes Reconsidered)

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