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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Mariam I. Tazi-Preve, Markus Kaindl, Benedikt Krenn (2008)

Väter ohne Kinder – Charakteristika von Scheidungsvätern ohne Kontakt zu ihren Kindern*

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 33, 1/2008, S. 5-36, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398, DOI: 10.1007/s12523-008-0003-0

Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Trennung und Scheidung auf die Beziehung von Vätern zu ihren getrennt lebenden minderjährigen Kindern. Im Gegensatz zu vielen anderen Untersuchungen wurde in dieser Studie der Universität Wien nicht auf die Scheidungsfolgen für die Kinder, sondern auf die Väter fokussiert. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die Charakteristika jener Väter zu untersuchen, die nach einer Scheidung einen Kontaktabbruch zum Kind zu verzeichnen haben. Zudem wird eine Quantifizierung der betroffenen Väter für Österreich angestrebt. Als Ausgangspunkt der Untersuchung dient ein Aufriss des internationalen Forschungsstandes seit den 1980er Jahren. Als Datenbasis ausgewertet wurde ein Sonderprogramm des Österreichischen Mikrozensus aus dem Jahr 2001. Die Ergebnisse zeigen, dass eine zahlenmäßige Erfassung des Phänomens nur eingeschränkt möglich ist. Als wesentliche Hemmfaktoren für die Aufrechterhaltung eines starken Kontaktes konnten die räumliche Distanz zwischen den Vätern und deren Kindern und die Zeitspanne seit der Trennung identifiziert werden. Bei univariater Betrachtung beeinflusst auch das Alter der Kinder bei der Scheidung das Risiko eines Kontaktabbruchs. Alleinlebende Väter halten eher Kontakt als in Zweipersonen-Haushalten lebende. Das Kontaktausmaß zum eigenen Vater sowie zu den Geschwistern steht in positivem Zusammenhang mit der Kontaktaufrechterhaltung zu den Kindern. Bedeutsam ist darüber hinaus der soziale Status. Verfügen Väter über größere Ressourcen an Bildung und einen höheren Status im Erwerbsleben, ist seltener ein Kontaktabbruch zu verzeichnen. Im multiplen Ansatz wandelt sich dieses Bild jedoch. Bei dieser Betrachtungsweise verbleiben in Österreich nur noch der Zeitraum seit der Scheidung und die Distanz zu den Kindern als signifikante Einflussgrößen in Bezug auf den vollständigen Kontaktabbruch. Weitere Untersuchungen sind notwendig, um die Kausalität des Phänomens Kontaktabbruch in der Vater-Kind-Beziehung schlüssig zu erklären.

* begutachteter Beitrag

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