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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Dirk J. van de Kaa (2007)

Ein Vorreiter für das Konzept einer zweiten demographischen Transition*

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 32, 3-4/2007, S. 371-380, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Manche wissenschaftliche Abhandlungen gewinnen mit dem Alter. Die 1984 erschienene Bevölkerungsstudie über die Hintergründe der aktuellen Fertilitätstrends in den Mitgliedsstaaten des Europarats gehört auch dazu. Als ich sie einer erneuten Lektüre unterzog – mehr als 20 Jahre, nachdem ich sie erstmals im Entwurf gesehen hatte – erinnerte ich mich wieder an die wissenschaftliche Kompetenz und das breite Wissen des Verfassers Josef Schmid, der damals an der Universität Bamberg tätig war. Die Studie wird mir aus vier Gründen als bedeutender Beitrag im Gedächtnis geblieben sein: (1) sie vermittelte deutlich, vor welchen Schwierigkeiten die Demographen bei der Interpretation des Rückgangs der Geburtenrate auf Werte deutlich unter dem Ersatzniveau standen; gleichzeitig brachte der Verfasser überzeugende Argumente dafür vor, dass sie wahrscheinlich auf diesem Niveau verbleiben würde, (2) sie benannte den Wertewandel als entscheidenden Faktor für den Rückgang, (3) sie stellte ausdrücklich fest, dass die starke Verbindung zwischen sexueller Beziehung und Fortpflanzung durchbrochen worden war und (4) sie zeugte von einem gewissen Bewusstsein dafür, dass es sich um einen Wandel der demographischen Strukturen handeln könnte. Aus der Retrospektive vertrete ich die Ansicht, dass man die Studie als Vorreiter des Konzepts der Zweiten Demographischen Transition bezeichnen kann.

* Originaltitel: A Precursor of the Concept of a Second Demographic Transition (Volltext nur auf Englisch)

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