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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

David Coleman (2007)

Die Zukunft der entwickelten Welt: einige vernachlässigte demographische Herausforderungen*

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 32, 3-4/2007, S. 641-666, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Die demographischen Herausforderungen, vor denen Europa, und im weiteren Sinne die gesamte entwickelte Welt, steht, sind bei einzelnen Wissenschaftlern, Staatsregierungen und internationalen Organisationen auf großes Interesse gestoßen. Angesichts der beispiellosen Ausprägung der aktuellen Geburten- und Sterbeziffern und der internationalen Migration, sowie deren erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen, ist das kaum überraschend. Der Zukunft der Fertilität, den Implikationen der Bevölkerungsalterung und der Entwicklung politischer Ansätze im Bereich der internationalen Migration hat man zu Recht große Aufmerksamkeit geschenkt. Einige andere Aspekte haben indes bisher nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen.
Dieser Beitrag wird sich mit zwei dieser Aspekte befassen. Erstens zeichnet sich insbesondere in Mitteilungen der EU die Tendenz ab, dass diese Themen auf gesamteuropäischer Ebene diskutiert werden, gerade so als bestünde bei den demographischen Mustern und Trends Einheitlichkeit, und dass infolgedessen angenommen wird, dass europaweite politische Ansätze wünschenswert oder realistisch seien. Wenngleich alle entwickelten Länder einige gemeinsame Merkmale aufweisen, sind die demographischen Trends und Muster in Europa sehr unterschiedlich und in vielen Gebieten eher divergent als konvergent. Hier werden Daten zu dieser Divergenz vorgelegt, ihren wahrscheinlichen Auswirkungen auf den Umfang und die Alterung der Bevölkerungen entwickelter Länder, und somit dem Ausmaß und den Unterschieden der Herausforderungen, die diese meistern müssen, damit ihre Gesellschaften im 21. Jahrhundert wirtschaftlichen Wohlstand und eine harmonische soziale und kulturelle Entwicklung erfahren können. Es wird darauf hingewiesen, dass diese Diversität in den entwickelten Ländern außerhalb Europas gleich stark oder sogar noch stärker ausgeprägt ist.

Der zweite Schwerpunkt betrifft die demographischen und ethnischen Konsequenzen der internationalen Migration und im weiteren Sinne die Konsequenzen der demographischen Diversität zwischen ethnischen Mehrheiten und Minderheiten in der entwickelten Welt. Diejenigen, die aus der internationalen Migration resultieren, sind hinreichend bekannt, diejenigen einheimischer Minderheiten weniger. Minderheiten, sowohl eingewanderte als auch einheimische, befinden sich häufig in verschiedenen Stufen des demographischen Übergangs. Vorausberechnungen zufolge werden die Migration und die demographischen Differentiale der Minderheiten angesichts der aktuellen Zuströme mittel- und langfristig radikale Auswirkungen auf die ethnische Zusammensetzung vieler Länder der entwickelten Welt haben. Diese Perspektive und deren Implikationen sind inmitten der aktuell vorrangigen Beschäftigung mit der Bevölkerungsalterung und deren möglicher Berichtigung durch Migration, die Integration der Einwanderungspopulationen und die Asyl- sowie Arbeitswanderungspolitik aus dem Blick geraten.

* Originaltitel: The Future of the Developed World: Some Neglected Demographic Challenges (Volltext nur auf Englisch)

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