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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Frank Swiaczny (2007)

Zum Wandel der Siedlungsstruktur der jüdischen Bevölkerung in der bayerischen Pfalz im 19. Jahrhundert – Aspekte der historischen Bevölkerungsgeographie einer Minderheit

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 32, 1-2/2007, S. 289-312, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Der Beitrag beschäftigt sich mit dem Wandel der Siedlungsstruktur der jüdischen Gemeinden in der bayerischen Pfalz vom 19. Jahrhundert bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Anhand der Analyse des Bevölkerungswachstums oder -rückgangs sowie der Gründung und dem Abgang von jüdischen Gemeinden, differenziert nach Lage, Größe und Bevölkerungsanteil, sollen die räumlichen Muster dieses Wandels der Bevölkerung und der Siedlungsstruktur identifiziert werden. Im Gebiet der Pfalz lebten zu Beginn des 19. Jahrhunderts rund 6.700 jüdische Einwohner, was einem Bevölkerungsanteil von etwa 2 % entspricht (1801, Quelle unsicher). In den folgenden Jahren steigt die Zahl der Juden in der Pfalz stark an, mit rund 15.300 Personen erreicht die jüdische Bevölkerung 1840 mit 2,7 % den höchsten Bevölkerungsanteil im 19. Jahrhundert. Die Bevölkerungszahl wächst bis 1852 auf etwa 15.600 Personen weiter, der Bevölkerungsanteil geht aber bereits leicht auf 2,67 % zurück. Nach 1852 nimmt die jüdische Bevölkerung in der Pfalz sehr stark auf etwa 10.100 Personen im Jahr 1900 ab, der Bevölkerungsanteil geht auf nur noch 1,2 % zurück. Dieser Trend muss bei der Betrachtung der einzelnen Gemeinden stark differenziert werden. Der Beitrag zeigt, dass die Bevölkerungsentwicklung der jüdischen Gemeinden in der Pfalz zu Beginn des 19. Jahrhunderts sehr stark von der Gewährung der Niederlassungsfreiheit beeinflusst wurde, durch die eine Phase hoher Fluktuation von jüdischen Siedlungen auch in den peripheren Regionen eingeleitet wurde, der sich im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts eine Konsolidierung anschloss. Überlagert wurde dieser räumliche Prozess von Beginn an durch die Konzentration der jüdischen Bevölkerung an städtischen und verkehrsgünstigen Standorten während der Industrialisierung, weniger in solchen mit einer großen jüdischen Bevölkerung oder einem hohen jüdischen Bevölkerungsanteil.

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