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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Eva Schulze und Sibylle Meyer (2007)

Stiften Frauen anders? Untersuchung zu Frauen im deutschen Stiftungswesen

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 32, 1-2/2007, S. 137-160, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Die vorliegende Arbeit ist eine erste umfassendere Beschreibung deutscher Stifterinnen. Die zentralen Aspekte der Untersuchung sind das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Stifterinnen und Stiftern, sowie die geschlechtsspezifischen Unterschiede und Motive von Stifterinnen und Stiftern. 
Die Analyse zeigt, dass das deutsche Stiftungswesen zwar noch eine Männerdomäne darstellt, jedoch mittlerweile zunehmend auch Stifterinnen mit eigenen Stiftungen aktiv sind. Mit einem Anteil von 30 % Frauen unter den befragten StifterInnen sind sie weniger stark unterrepräsentiert als auf der Führungsebene von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Aus der Literatur ist bekannt, dass Frauen häufiger für soziale Zwecke stiften als Männer, während diese wiederum häufiger als Frauen für Kunst und Kultur sowie Bildung und Erziehung stiften. Diese Annahmen konnten nur tendenziell bestätigt werden. Der Wunsch gezielt Frauen fördern zu wollen, ist für Frauen wichtiger als für Männer, spielt aber insgesamt in der Liste der Gründe auch bei Stifterinnen nur eine untergeordnete Rolle. Insgesamt zeigen unsere Analysen, dass Frauen und Männer ähnliche Ziele verfolgen und ihre Motivationen zur Stiftungsgründung sich wenig unterscheiden. Die wichtigsten Motive für eine Stiftungsgründung sind der Wunsch, etwas bewegen zu wollen, Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Mitmenschen zu übernehmen sowie ein konkretes Problem bekämpfen zu wollen. Unsere Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass der Einfluss von Geschlecht auf Stiftungsgründung und Stiftungsaktivitäten eher gering ist, und persönlichkeitsspezifische Orientierungen bei den Motiven der Stiftungsgründung wesentlich sind. Die grundlegenden Orientierungen „Soziales Engagement“ und „Selbstverwirklichung durch Arbeit“ erklären besonders deutlich die Motive für die Gründung einer Stiftung. Materialistisch und konservativ eingestellte Personen errichten Stiftungen, wenn durch das Engagement für andere Menschen gleichzeitig eigene Interessen vertreten werden können.Konkrete Anlässe zur Errichtung einer Stiftung werden vorwiegend durch das Alter bestimmt. So möchten ältere Personen z. B. ihren Nachlass ordnen oder haben keine geeigneten Erben und sehen ihr Vermögen in einer Stiftung sinnvoll aufgehoben. Jüngere hingegen stiften aufgrund eines plötzlichen Vermögenszuwachses.

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