Navigation und Service

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Hans-Ulrich Oel (2007)

Wissenschaftliche Erkenntnis und politische Verpflichtung – Zum Umgang mit dem Phänomen des demographischen Wandels in Deutschland

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 32, 1-2/2007, S. 99-122, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Der demographische Wandel und seine Folgen werden alle Lebensbereiche verändern. Dies ist lange Erkenntnis der einschlägigen wissenschaftlichen Disziplinen, war Thema der Politikberatung, wurde in Enquête-Kommissionen erörtert, fand aber über Jahrzehnte keinen Eingang in die Politik. Erst seit die Prognosen Realität geworden sind und der Rückgang der Bevölkerungszahl als strukturell unumkehrbare Tatsache akzeptiert wird, sucht die Politik und – noch sehr zögerlich – die Wirtschaft nach Antworten.

Familienpolitik bestimmt im laufenden Jahr einen wesentlichen Teil der politischen Diskussion in Deutschland. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Familienpolitik die Entscheidung potentieller Eltern für Kinder nur indirekt und minimal beeinflussen kann. Umso wichtiger sind Maßnahmen zur Gestaltung der Folgen des demographischen Wandels, die im Mittelpunkt der nachfolgenden Ausführungen stehen.Der demographische Wandel darf nicht als Bedrohung kommuniziert werden. Zur Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt wird er nur, wenn wir ihn ignorieren. Aktive Politik zur Gestaltung des Wandels und seiner Folgen muss daher immer auch die Chancen des Wandels im Blick haben und kommunizieren. Diese liegen in der Verbesserung des Bildungswesens, einem aktiven Gesundheitsmanagement, der Seniorenwirtschaft, der Fortentwicklung der Bürgergesellschaft und in vielen Bereichen mehr. In anderen Politikfeldern müssen wir die Veränderungen des gesellschaftlichen Lebens zur Kenntnis nehmen und uns auf diese Veränderungen einlassen. Dabei erfordert eine zukunftsfähige, den Erfordernissen des demographischen Wandels gerecht werdende Politikgestaltung eine langfristige Sichtweise. Wir müssen wieder lernen, in Generationen und nicht in Legislaturperioden zu denken und zu handeln.

Über den Erfolg oder Misserfolg bei der Gestaltung des demographischen Wandels entscheidet zuallererst der Wille zur politischen Gestaltung. Die vorhandenen materiellen und ideellen Ressourcen müssen – gepaart mit viel Phantasie und Ideenreichtum – optimal eingesetzt werden, denn nur kreative Lösungen sind zukunftstauglich.

Diese Seite

© Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung - 2017