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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Ulrich Jürgens und Jürgen Bähr (2007)

Ausländer in südafrikanischen (Innen-)Städten

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 32, 1-2/2007, S. 313-332, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Bis zum Ende der Apartheid unterlagen sowohl die Binnen- als auch die Außenmigration starken Restriktionen, bei denen einer „erwünschten“ Einwanderung von Personen europäischer Herkunft die „Politik der Ausbürgerung“ schwarzer Bevölkerung in ihre sogenannten „homelands“ gegenüberstand. Eine internationale Zuwanderung von Personen schwarzer Hautfarbe war nicht vorgesehen. Das sollte sich erst Anfang der 1990er Jahre ändern. Für Afrikaner außerhalb Südafrikas wurde der politische Umbruch zu einem Sinnbild von Hoffnung für ihre eigenen teils durch Bürgerkrieg verwüsteten Heimatländer. Zugleich war es für viele der Sprung von der Dritten in die Erste Welt, ohne damit den Kontinent verlassen zu müssen. Aufgrund hoher Arbeitslosenzahlen zwischen 40 und 80 % in den südafrikanischen Provinzen lehnen aber vor allem schwarze Südafrikaner einzelne Gruppen von Zuwanderern ab. Wer sind diese Migranten am Rande der „mainstream-Gesellschaft“, welche demographischen Besonderheiten weisen sie auf und inwieweit sind sie einerseits räumlich segregiert, andererseits sozial exkludiert? Die eigenen Untersuchungen hierzu orientieren sich an Fallbeispielen in Johannesburg (Yeoville) und Durban (Albert Park). Im Gegensatz zu den Momentaufnahmen anderer Autoren war es möglich, in einer zeitlich vergleichenden Betrachtung 1989, 1998 und 2005 demographische Veränderungen sowohl quantitativ als auch qualitativ nachzuzeichnen und zu hinterfragen. Grundlage hierfür waren standardisierte und repräsentativ durchgeführte Befragungen in Form eines „Gebäude-random sample“. Es lässt sich zeigen, dass die afrikanischen Ausländer als eine sehr junge, männlich dominierte sowie kinder- und jugendarme Bevölkerungsgruppe zu charakterisieren sind, in der längerfristige Familienbeziehungen vor Ort keine Rolle spielen. Für die meisten Personen ist ein auffälliger „job mismatch“ zu konstatieren, wenn man die Einkommens- und Lebenssituation mit dem Bildungsstand relativiert. Über 10 % der Ausländer in Yeoville gaben an, an einer Hochschule graduiert zu sein, weitere 28 % besitzen einen Abiturabschluss, ohne adäquate Einkommensquellen zu haben. Prägnant ist die Konzentration von Ausländergruppen auf engem Raum, die als Schutzfunktion, Bewahrung kultureller Identitäten durch lokale Bindungen und als Unterstützung einer eigenen lebensfähigen ethnischen Ökonomie zu werten ist.

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