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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Charlotte Höhn (2007)

Bevölkerungsforschung und demographischer Wandel – Zur politischen Würdigung der Demographie seit den 1970er Jahren

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 32, 1-2/2007, S. 73-98, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Seit dem Erscheinen der 4. koordinierten Bevölkerungsvorausschätzung (1973/74) war den Demographen klar, dass bei anhaltend niedrigem Geburtenniveau es mit und ohne Zuwanderung zu einer erheblichen Alterung der Bevölkerung nach 2010/15 kommen würde. 1973 wurde das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung gegründet, um die Ursachen des Geburtenrückgangs seit Mitte der 1960er Jahre zu untersuchen und die Bundesregierung in demographischen Fragen zu beraten. Nach Beratungen im „Bad Soodener Kreis“ wurde eine Interministerielle Arbeitsgruppe Bevölkerungsfragen unter Federführung des Bundesministeriums des Innern einberufen, die 1980 und 1984 einen zweiteiligen Bevölkerungsbericht der Bundesregierung zu den Ursachen und Folgen der demographischen Alterung vorlegte. In den Medien wurde die Frage diskutiert „Sterben die Deutschen aus?“. Bereits Ende der 1970er Jahre regte sich maßgeblicher Widerstand (Albrecht Müller, 1979), die Befunde der Demographen politisch ernst zu nehmen. In der Folge wurde die Bevölkerungsforschung in Politik und Medien ignoriert. Andererseits wurde die Familienpolitik in den 1980er und 1990er Jahren in mehreren Schritten deutlich ausgebaut (was eventuell dazu führte, dass das Geburtenniveau nicht noch weiter absank). 1987 wurde die Erhöhung des Renteneintrittsalters ab dem Jahr 2000 beschlossen, doch wurde zunächst die Frühverrentung gefördert. Eine Erweiterung der Rentenversicherung um Kapitaldeckung fand bis in die 1990er Jahre keine politische Unterstützung der großen Parteien (Enquête-Kommission Demographischer Wandel 1992 – 2002).

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