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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

E.-Jürgen Flöthmann (2007)

Regionale Auswirkungen der demographischen Alterung – Kleinräumige Analysen am Beispiel der Kreise und kreisfreien Städte Nordrhein-Westfalens

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 32, 1-2/2007, S. 137-160, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Deutschland verzeichnet zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach Japan die weltweit stärkste demographische Alterung. Diese Entwicklung verläuft aufgrund der demographischen und siedlungsstrukturellen Vielfalt in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich. Hoch und gering verdichtete Regionen, altindustrialisierte, prosperierende dienstleitungsorientierte und traditionell landwirtschaftlich orientierte Regionen grenzen zum Teil kleinräumig unmittelbar aneinander. Diese Unterschiede spiegeln sich auch in den demographischen Strukturen wider. Sie werden nicht nur im Hinblick auf das Niveau der Alterung deutlich, sondern vor allem auch hinsichtlich der Dynamik, mit der sich die altersstrukturellen Veränderungen vollziehen. Die regionalen Unterschiede der demographischen Alterung beruhen deshalb nicht nur auf unterschiedlichen Ursachen, sondern sie führen auch zu sehr verschiedenen Auswirkungen in den einzelnen Regionen und erfordern entsprechende Konzepte. Regionale Vorausschätzungen belegen eindeutig, dass sich diese regionalen Diskrepanzen während der nächsten zwei Jahrzehnte bei einer insgesamt zunehmenden Alterung nicht reduzieren werden. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen werden diese Unterschiede in besonderer Weise deutlich.

Die Alterung wird in vielen Regionen von einer „Singularisierung des Alters”, das heißt von einer Zunahme alleinstehender älterer Menschen und einer Verringerung des Potentials pflegender Angehöriger begleitet. Zugleich wird die Gruppe älterer Menschen vielschichtiger; immer mehr Ältere weisen einen Migrationshintergrund auf. Diese Veränderungen stellen unterschiedliche Anforderungen an die regionalen Lebensräume und die öffentliche Infrastruktur sowie an die Bereiche Wohnen und Versorgung. Außerdem werden, speziell in schrumpfenden Regionen, die Anforderungen älterer Menschen an die Bereiche Verkehr und Mobilität zu Anpassungen und völlig neuen Konzepten führen. Von der demographischen Alterung sind alle kommunalen Akteure betroffen: Politik, Verwaltung, Unternehmen, Kirchen, Vereine, Verbände, usw. Es handelt sich um eine typische Querschnittsaufgabe, die eine Kooperation sowohl zwischen den verschiedenen regionalen Akteuren als auch zwischen den administrativen Ebenen von Bund, Ländern und Gemeinden erfordert.

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