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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Wolfgang Weiß (2006)

Zur Entwicklung einer Residualbevölkerung infolge lang anhaltender selektiver Abwanderung in Mecklenburg-Vorpommern – Auswirkungen der Bevölkerungsalterung unter besonderer Berücksichtigung regionaler Aspekte

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 31, 3-4/2006, S. 469-506, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

„Residualbevölkerung“ ist ein relativ unscharfer bevölkerungsgeographischer Arbeitsbegriff der modernen Migrationsforschung. Er dient der Kennzeichnung struktureller Besonderheiten einer regionalen Bevölkerung, die lang anhaltende, selektive Abwanderungen erfahren hat, wobei sich die zur typischen Struktur der Migranten komplementären Eigenschaften verfestigen. In den ländlichsten Räumen Deutschlands östlich der Elbe findet dieser Prozess ungestört bereits in der dritten Generation statt. Als Determinanten der Migration dominieren Alter, Geschlecht und Qualifikation, wobei im Saldo – vor allem verglichen mit anderen Räumen – gut ausgebildete junge Frauen mit einem streng arbeitsweltlichen Migrationsmotiv an der Abwanderung überproportional beteiligt sind. Seit 1990 hat diese Entwicklung flächendeckend alle neuen Bundesländer inklusive fast aller Zentren erfasst. Das führte im demographisch aktiven Alter zur Verwerfung der Sexualproportionen mit einem Frauendefizit von rund 15 %. Dieses Maß ist statistisch relativ leicht zugänglich und somit ein guter Indikator für regionale Schwächen der Arbeits- und Lebensbedingungen, aber zugleich auch ein Katalysator für Folgeprobleme vor allem in den sozialen Beziehungen, denn die entstehenden Männergesellschaften neigen zur Veränderung gesellschaftlicher Wertmaßstäbe.

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