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Martin Coy und Ernst Steinicke
Regionale Bevölkerungsentwicklung in Frankreich

VS Verlag für Sozialwissenschaften, Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 31, 3-4/2006, S. 536-574, ISSN 0340-2398 

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 31, 3-4/2006, S. 123-136, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Die singuläre Stellung Frankreichs in Europa zieht sich wie ein roter Faden durch die demographische Entwicklung seit dem 18. Jahrhundert. War Frankreich um 1800 noch das bevölkerungsreichste Land Europas, so führten die ausgesprochen geringen Geburtenziffern während des gesamten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu stagnierenden Bevölkerungszahlen und damit zu erheblichen demographischen Problemen, die sich nicht zuletzt auch in den beiden Weltkriegen bemerkbar machten. Der Rückgang der Kinderzahlen und in der Folge erste Überalterungstendenzen setzten mehr als 100 Jahre früher als in anderen europäischen Ländern ein. So wird auch verständlich, dass Deutschland und Großbritannien noch im 19. Jahrhundert und Italien in der Zwischenkriegszeit Frankreich in der Einwohnerzahl überholten. Darüber hinaus ist auch der demographische Übergang bemerkenswert: Der Mortalitäts- und der Fertilitätsrückgang verliefen weitgehend parallel, eine mit anderen Ländern vergleichbare Öffnung der Bevölkerungsschere und damit eine sprunghafte Bevölkerungszunahme im 19. Jahrhundert gab es in Frankreich daher nicht. Frankreich bildete zweifellos das Innovationszentrum, von dem verschiedene "moderne" generative Verhaltenweisen ihren Ausgang nahmen. Besonderheiten in der Bevölkerungsentwicklung reichen aber bis in die unmittelbare Gegenwart herein. Paradoxerweise sind es heute gerade die hohen Fertilitätsziffern und die schwächere Überalterung, durch die sich Frankreich von anderen europäischen Ländern abhebt. Es gehört ferner zu den wenigen Staaten Westeuropas, deren derzeitiges Wachstum hauptsächlich auf den Geburtenüberschuss zurückgeht und nur zu einem geringeren Anteil auf Wanderungsgewinne. Dazu kommt eine Lebenserwartung, die bei den Frauen zu den höchsten der Welt zählt.

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