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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Reiner H. Dinkel und Martin Kohls (2006)

Die „normale" Saisonalität und die Auswirkung kurzzeitiger Extremwerte der Mortalität in Deutschland*

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 31, 2/2006, S. 163-186, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Saisonale Schwankungen sind für sämtliche demographischen Ereignisse zu beobachten. Bereits die Klassiker der Demographie stellten Regelmäßigkeiten auch für die Mortalität mit teilweiser extremer Übersterblichkeit im Winter fest. Darüber hinaus gehörten Extremwerte der Sterbefallzahlen aufgrund von Epidemien vielfältiger Art noch im 19. Jahrhundert zur Normalität. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden außerordentliche Ausreißer der Sterblichkeit zur Ausnahme.

Im Sommer 2003 wurden im Zusammenhang mit der Hitzewelle vielfach Schreckensmeldungen verbreitet, dass dadurch zigtausend Menschen zusätzlich verstorben wären. Unter Verwendung amtlicher Sterbefalldaten von 1948 bis 2004 wird hier die Entwicklung der Saisonalität der Sterblichkeit mit Hilfe zeitreihenanalytischer Methoden nachgezeichnet. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage, ob zu Zeiten getrennter staatlicher Existenz unterschiedliche Saisonmuster in beiden deutschen Staaten entstanden.

Weitere Differenzierungen nach Geschlechtern und Teilzeiträumen werden durchgeführt. Mit diesen Daten kann auch eine Trennung zwischen „normaler" Saisonalität und besonderen Ausreißern vorgenommen werden. Eine erhöhte Sterblichkeit im Winter und eine niedrige Sterblichkeit im Sommer existiert auch heute. Allerdings ist die Stärke der Saisonalität deutlich geringer als noch in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Als Sterblichkeitsausreißer darf nur eine über die normale Saisonalität hinausgehende Abweichung bezeichnet werden. Falls aber anschließend in einer Reihe von Folgemonaten die Sterblichkeit systematisch unterhalb der „erwarteten" Zahl bleibt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass im Ausreißermonat nur ein so genannter „Harvesting-Effekt" stattfand und die Gesamtsterblichkeit eines Jahres nicht verändert wurde. Die Folgen der Hitzewelle 2003 sind ein Beispiel für diesen Effekt. Sie haben deshalb nach unserer Definition kaum zusätzliche Mortalitätswirkung hinterlassen.

* begutachteter Beitrag

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