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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Nicole Brose (2006)

Gegen den Strom der Zeit? Vom Einfluss der religiösen Zugehörigkeit und Religiosität auf die Geburt von Kindern und die Wahrnehmung des Kindernutzens

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 31, 2/2006, S. 257-282, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Immer wieder taucht in der familiensoziologischen Forschung die Ansicht auf, dass soziale Normen und Werte Entscheidungen zu Familiengründungen und -erweiterungen prägen. Dabei ist keineswegs immer klar, inwieweit Normen und Werte eher Ursache oder Folge des generativen Verhaltens sind. Nimmt man nun letztere Möglichkeit als zutreffend an, so muss man von denjenigen eine stärkere Bereitschaft zur Familiengründung und -erweiterung erwarten, die der Diffusion eines weniger familienorientierten Lebensstils Widerstand leisten. Ein derartiges Widerstandspotential ist dabei am ehesten im kirchlichen Milieu zu suchen. Die vorliegende Arbeit will deshalb der Frage nachgehen, ob einer christlichen Gruppierung zugehörige Personen sich dem Trend zu geringeren Kinderzahlen bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt entzogen haben. Im Ergebnis dieser Untersuchung wird gezeigt, dass Protestanten und Katholiken auch unter Kontrolle von sozioökonomischen Merkmalen im Schnitt um 0,25 Kinder reicher sind als Personen ohne religiöse Zugehörigkeit. Noch stärker fällt dieser Zusammenhang aus, wenn neben der religiösen Zugehörigkeit auch Indikatoren der Religiosität berücksichtigt werden. Darüber hinaus soll die Untersuchung erste Anhaltspunkte für die Mechanismen liefern, auf denen die Korrelation zwischen religiöser Zugehörigkeit und der Kinderzahl beruht. In diesem Zusammenhang sollen insbesondere zwei Hypothesen einer empirischen Prüfung unterzogen werden: Der positive Effekt der Religion auf die Kinderzahl ist a) Ergebnis höherer Erwartungen an den emotionalen Nutzen von Kindern (Wert-Erwartungshypothese) und b) Ausdruck und Folge einer stärkeren Bereitschaft zur Eheschließung und/oder einer geringeren Trennungs- oder Scheidungsneigung (Ehe-Affinitätshypothese).

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