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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Reiner Schulz und Frank Swiaczny (2005)

Bericht 2005 zur Entwicklung der Weltbevölkerung – Aktuelle demographische Trends

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 30, 4/2005, S. 409-453, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen (VN) veröffentlicht alle zwei Jahre aktualisierte Daten zur Bevölkerungsstruktur und -entwicklung in den Ländern der Welt. Die letzte Aktualisierung erfolgte im Jahr 2004. Dieser Datensatz enthält Schätzungen der demographischen Parameter von 1950 bis heute sowie Projektionen bis zum Jahr 2050 in verschiedenen Varianten.
Die VN schätzen in der mittleren Variante, dass die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf 9,076 Mrd. Menschen anwachsen wird. Damit wird die Schätzung der vorangegangenen 2002 Revision um etwa 160 Mill. Menschen nach oben korrigiert. Diese Korrektur ergibt sich aus einer weltweit steigenden Lebenserwartung sowie einer höheren durchschnittlichen Kinderzahl, als noch 2002 geschätzt wurde. Insbesondere der künftige Rückgang der durchschnittlichen Kinderzahl in Afrika ist in der 2002 Revision offensichtlich überschätzt worden.
Im Einzelnen wird die Weltbevölkerung durch folgende Entwicklungen geprägt:

  • Die Bevölkerungsanteile verschieben sich in den 100 Jahren von 1950 bis 2050 eindeutig zu Gunsten der weniger entwickelten Länder in Asien und Afrika, während der Anteil der entwickelten Länder an der Weltbevölkerung stetig abnimmt. Die am wenigsten entwickelten Länder, insbesondere Länder in Afrika südlich der Sahara, weisen die höchsten Kinderzahlen und das höchste Bevölkerungswachstum auf. Die Länder Osteuropas und die Nachfolgestaaten der Sowjetunion unterliegen den stärksten Schrumpfungsprozessen.
  • Die Herausforderung bei stark wachsenden oder schrumpfenden Bevölkerungen liegt nicht nur in der Zu- oder Abnahme der Bevölkerungszahl, sondern insbesondere in dem mit dieser Entwicklung verbundenen Wandel der Altersstruktur. Stark wachsende Bevölkerungen haben von Geburtsjahrgang zu Geburtsjahrgang eine wachsende Anzahl junger Menschen, die ernährt, gekleidet, ausgebildet und mit Arbeitsplätzen versorgt werden müssen, schrumpfende Bevölkerungen haben einen wachsenden Anteil älterer Menschen, die versorgt werden müssen.
  • Da in den meisten Ländern der Welt ein Geburtenrückgang stattfindet, altert die Weltbevölkerung insgesamt. Am schnellsten in China, da China seit Ende der 1970er Jahre eine rigorose Ein-Kind-Politik durchsetzt. Die strikte Begrenzung der durchschnittlichen Kinderzahl führt seither dort zu einer kontinuierlichen Abnahme der Jahrgangsstärken. Im Jahr 2050 wird der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung stark zurückgegangen und China mit dem Problem einer starken Zunahme älterer Jahrgänge – einer demographischen Alterung – konfrontiert sein. Das politische Ziel, das Bevölkerungswachstum zu bremsen, führt als Konsequenz zur Alterung der Bevölkerung.
  • In den weniger und am wenigsten entwickelten Ländern werden in allen Altersklassen von den Frauen mehr Kinder geboren werden als in den entwickelten Ländern. In Abhängigkeit vom Entwicklungsstand verschiebt sich, parallel zum Rückgang der Zahl der Kinder je Frau, die Altersklasse, in der die meisten Kinder geboren werden. In den weniger entwickelten Ländern werden die meisten Kinder von 20- bis 24-jährigen Frauen geboren, in den entwickelten Ländern trifft dies für die 25- bis 29-jährigen Frauen zu. Ein Rückgang der durchschnittlichen Kinderzahl je Frau bedeutet somit vor allem, dass junge Frauen weniger Kinder gebären.
  • Die Lebenserwartung ist umso höher, je weiter die sozioökonomische Entwicklung fortgeschritten ist. Am höchsten ist sie in den Industrieländern (die höchste Lebenserwartung haben zur Zeit die Einwohner Japans), am geringsten in den am wenigsten entwickelten Ländern.
  • Generell steigt mit der Lebenserwartung auch der Unterschied in der Lebenserwartung von Frauen und Männern, wobei „biologische Faktoren eine Lebenserwartungsdifferenz zwischen den Geschlechtern von etwa 1-2 Jahren“ (Luy 2002: 119) zugunsten der Frauen bewirken können. In den Industrieländern resultiert der darüber hinausgehende Vorsprung der Frauen auf sozialen, ökonomischen und kulturellen Faktoren. Männer sind dort stärker durch die Folgen von Gewaltverbrechen, Unfällen und ungesunden Verhaltensweisen (z. B. Rauchen) betroffen als Frauen. In den Entwicklungsländern resultiert ein niedrigerer Vorsprung oder gar Nachteil aus schlechteren Lebensbedingungen der Frauen, z. B. bei der Ernährung oder der medizinischen Versorgung und insbesondere den gesundheitlichen Gefahren im Zusammenhang mit der Geburt von Kindern.
  • Die entwickelten Länder sind die Hauptzielregionen der internationalen Wanderungen. Ihr Zuwanderungssaldo je 1.000 der Bevölkerung nahm von 1950 bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts zu. Die am wenigsten entwickelten Länder waren in der Vergangenheit je 1.000 der Bevölkerung, bei hoher Fluktuation der Salden, die Hauptherkunftsregionen der Wandernden. Künftig gehen die VN davon aus, dass die Abwanderung je 1.000 der Bevölkerung aus den am wenigsten entwickelten Ländern hinter den Entwicklungsländern insgesamt zurück bleiben wird. Zwischen der Rate des natürlichen Bevölkerungswachstums und der Nettowanderungsziffer gibt es offenbar keinen engen Zusammenhang.

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