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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Yve Stöbel-Richter und Elmar Brähler (2007)

Sozialisationsaspekte und Rollenleitbilder zur Vereinbarkeit von Familie und weiblicher Berufstätigkeit sowie Einstellungen zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 30, 2-3/2005, S. 293-312, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Der folgende Artikel gibt einen Überblick über wichtige Aspekte unterschiedlicher Einstellungen zu Familienindikatoren und fokussiert dabei besonders die divergierenden Bewertungen der Themen Schwangerschaftsabbruch und Vereinbarkeit von Kindererziehung und Berufstätigkeit. Die Auswertung basiert auf Daten der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) aus dem Jahr 2000. Diese verfolgte vor allem das Ziel, sozialen Wandel - oder auch Konstanz - in unterschiedlichen Schwerpunktbereichen darzustellen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Einstellungen zu den Themen Familie, Berufstätigkeit und Schwangerschaftsabbruch nach wie vor gravierend unterscheiden. In den neuen Bundesländern ist es viel selbstverständlicher, dass Familie und Berufstätigkeit miteinander vereinbart werden, als in den alten Bundesländern. Befragt nach der Einstellung zum Schwangerschaftsabbruch geben 70 % der Ostdeutschen, aber nur 38 % der Westdeutschen an, diesen weniger bzw. überhaupt nicht schlimm zu finden. Ähnliche Differenzen werden bei der Frage, ob Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich gesetzlich möglich sein sollte, deutlich. Was bei der Interpretation der Ergebnisse auffällt, ist die in vielen Aspekten traditionellere Haltung vor allem der Männer in den alten Bundesländern; hierfür können sowohl eine unterschiedliche Sozialisation, aber auch differente soziostrukturelle Gegebenheiten als Erklärung dienen. In den neuen Bundesländern fallen bei der Bewertung der Items sehr stark gesellschaftliche Bedingungen und ökonomische Defizite ins Gewicht. Dies zeigt sich auch in einer starken Ambivalenz zwischen idealer Lebensweise und Kinderzahl und deren Realisierung. Im Gegensatz dazu existiert in den alten Bundesländern ein eher homogenes Einstellungsbild zu Zukunftsaussichten und dem Wunsch, in einer Familie zu leben.

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