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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Susanne Schmid (2004)

Methodik und Ergebnisse einer Delphi Studie zur demographischen Entwicklung in Deutschland bis 2030

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 29, 3-4/2004, S. 493-516, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Die vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) erhobene Delphi Studie ist Teil des von der Europäischen Kommission geförderten DIALOG Projekts (2003-2005). Die DIALOG Delphi Studie hatte eine Laufzeit von einem Jahr (2003) und fand in 15 europäischen Ländern statt (Belgien (Flandern), Deutschland, Estland, Finnland, Italien, Litauen, den Niederlanden, Österreich, Polen, Rumänien, Schweiz, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Zypern). Konzept und Organisation der Delphi Studie lagen bei der Forschergruppe um Rossella Palomba vom Istituto di Ricerche sulla Popolazione e le Politiche Sociali in Rom.

Das Ziel dieser DIALOG Delphi Studie bestand darin, für die teilnehmenden Länder Zukunftsszenarien und entsprechende bevölkerungspolitische Maßnahmen zu entwerfen. Drei Themengebiete standen hier im Vordergrund: a) Demographische Alterung, b) Familie und Geburtenhäufigkeit und c) Geschlechterrollen. Die Szenarien wurden auf Grundlage der Beiträge, Meinungen und Beurteilungen von 15 Experten länderspezifisch erstellt. Die Experten entstammten folgenden Bereichen: Politik, Industrie und Handwerk, Interessengruppen, Gewerkschaften, Journalismus, Kirche, Geschlechterfragen, Forschung, Kultur und lokale Verwaltung.

Die Methode der DIALOG Delphi Studie wurde eigens für das DIALOG Projekt entwickelt. Sie bestand in einer Expertenbefragung, bei der ein iterativer, multi-methodischer Zugang verfolgt wurde. Die Methode integrierte das von den amerikanischen Systemforschern Harold Linstone und Murray Turoff entwickelte „Policy Delphi“ und das von den amerikanischen Organisationswissenschaftlern David Cooperrider und Suresh Srivastva entworfene „Appreciative Inquiry“ (Wertschätzendes Erkunden). Aus der Kombination dieser beiden methodischen Konzepte ergab sich folgender Ablauf: Die DIALOG Delphi Studie wurde in vier Befragungsrunden durchgeführt. Die Interviews, zu denen die Experten im Turnus von 6 Wochen aufgesucht wurden, dauerten jeweils 40 bis 80 Minuten. Die Ergebnisse jeder Befragungsrunde bildeten die Basis für den Fragebogen der nachfolgenden Runde. In den ersten drei Befragungsrunden wurde erörtert, wie sich die demographische Lage in Deutschland bis 2030 entwickeln sollte und wie diese Entwicklung anhand von politischen Zielen und Maßnahmen am Besten zu realisieren wäre. In der vierten Befragungsrunde wurden die Experten gebeten, aus den maximal vier Zukunftsszenarien, die sich aus den vorangegangenen Befragungen ergeben hatten, das von ihnen favorisierte Szenario auszuwählen und abschließend zu bewerten.In dieser Delphi Studie entwarfen die Experten auf Grundlage ihres Wissens, ihrer Wünsche und Erwartungen ein Bild der Zukunft. Sie äußerten Wünsche und Erwartungen an eine darauf ausgerichtete Politik, die mittels Skalen der Erwünschtheit, Machbarkeit und Wichtigkeit gemessen wurden. Um eine Brücke zwischen den Experten und der Gesellschaft zu bauen, wurden die Experten über die Wünsche und Erwartungen der Bevölkerung, welche die Population Policy Acceptance Study (PPAS) ergeben hatte, informiert.

In dem Delphi Zukunftsszenario, das die Experten letztlich favorisierten, liegt das Hauptaugenmerk auf Wirtschaft und Politik, aber auch auf Familie und Partnerschaft. Als vorrangige politische Ziele wurden die Anpassung des Rentensystems an eine alternde Gesellschaft, die Sicherung der Innovationsfähigkeit in Deutschland und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesehen.

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