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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Andrea Lengerer (2004)

Zur Akzeptanz von Familienpolitik

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 29, 3-4/2004, S. 387-420, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Vor dem Hintergrund der gewachsenen Relevanz von Familienpolitik erscheint es angebracht, den Blick auf deren Bewertung in der Bevölkerung zu richten. Ein gewisses Maß an Zustimmung wird als Voraussetzung der Legitimität, der langfristigen Tragfähigkeit als auch der Wirksamkeit familienpolitischer Interventionen betrachtet.

Wie die Auswertungen der deutschen Population Policy Acceptance Study (PPAS) zeigen, ist die soziale Akzeptanz von Familienpolitik hoch. Sowohl finanzielle Leistungen als auch Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf stoßen auf breite Zustimmung in der Bevölkerung. Nach wie vor sind dabei Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland festzustellen: Die Bürger der neuen Bundesländer richten insgesamt höhere Erwartungen an die Familienpolitik und befürworten besonders den Ausbau öffentlicher Angebote zur Kindertagesbetreuung. Im Vergleich dazu sind die Westdeutschen stärker an einer sequentiellen Vereinbarkeit von Familie und Beruf interessiert, was sich in der breiten Befürwortung von finanziellen Transfers und von reduzierten bzw. flexibilisierten Arbeitszeiten niederschlägt.

Auf individueller Ebene sind es sowohl Wert- als auch Interessenorientierungen, die über das Ausmaß der Akzeptanz von Familienpolitik entscheiden. Die höchste Zustimmung findet sich bei den (potentiellen) Leistungsempfängern und bei denjenigen, die Familie und Kindern einen hohen ideellen Wert beimessen. Insgesamt sind die Unterschiede in der Bewertung familienpolitischer Maßnahmen aber gering und herausragendes Ergebnis ist die Feststellung eines hohen und breiten Zuspruchs in der Bevölkerung. Auch Kinderlose beurteilen Familienpolitik mehrheitlich positiv, so dass von einer Entsolidarisierung oder gar einer Spaltung der Gesellschaft nicht die Rede sein kann.

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