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Juliane Roloff (2004)

Der Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand und Veränderungen der subjektiven Gesundheit, dargestellt am Beispiel der westdeutschen Altersjahrgänge 1933 bis 1938

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 29, 2/2004, S. 219-243, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Der Lebenserwartungssurvey, ein z. Zt. am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) laufendes Forschungsprojekt zum Thema „Lebensstile und ihr Einfluss auf Gesundheit und Lebenserwartung“ bot die Chance, den Wahrheitsgehalt einer vielfach anzutreffenden Behauptung zu prüfen, bei vielen Menschen würde der Übergang von einem zumeist langen Erwerbsleben in den Ruhestand, solange dieser nicht freiwillig erfolgt, einen gesundheitlichen Schock hervorrufen. Bislang erbrachten frühere Forschungsarbeiten hierzu keine eindeutigen empirischen Befunde. Für die vorliegende Analyse wurden die in der ersten Erhebung des Lebenserwartungssurveys (1984 bis 1986) ausgewiesenen westdeutschen Erwerbspersonen der Altersjahrgänge 1933 bis 1938 ausgewählt, die in der Wiederholungsbefragung (1998) noch am Erwerbsleben beteiligt waren oder sich nunmehr im Ruhestand befanden. Diese beiden Gruppen wurden hinsichtlich der Veränderung ihres subjektiven Gesundheitszustandes, Beschwerdenintensität, Beschwerdensituation, hier u. a. in Abhängigkeit von Arbeitsbelastungen, und ihrer Zufriedenheit mit der Gesundheit miteinander verglichen. Es ergab sich Folgendes: Die subjektive Bewertung der eigenen Gesundheit fiel in der zweiten gegenüber der ersten Erhebung des Lebenserwartungssurveys im Allgemeinen ungünstiger aus. Dieses Bild relativiert sich, betrachtet man nur die beiden Hauptuntersuchungsgruppen „Noch-Erwerbstätige“ und „Altersruheständler“. Für die Mehrheit von diesen ist der subjektive Gesundheitszustand unverändert geblieben. Für diejenigen mit einer Veränderung erfolgte diese bei den Erwerbstätigen mehr in Richtung „schlechter“, dagegen bei den Altersruheständlern mehr in Richtung „besser“. Dies gilt ebenso für die Beschwerdenintensität. Zwar hat diese sich, zeitlich gesehen, für die Mehrheit der Befragten ebenfalls nicht geändert. Doch wenn dies der Fall war, bedeutete es für die Noch-Erwerbstätigen eher eine Verschlechterung, für die Rentner/Pensionäre hingegen eher eine Verbesserung. Im Hinblick auf Einzelbeschwerden ist, allgemein gesehen, eine mehr negative Veränderung der Beschwerdensituation der Befragten der Altersjahrgänge 1933 bis 1938 zu verzeichnen. Doch auch hier lassen sich zwischen Noch-Erwerbstätigen und jetzigen Altersruheständlern gegenläufige Tendenzen feststellen: Die Häufigkeit einzelner, insbesondere stressbedingter und/oder mit der Computerisierung der Arbeitstätigkeiten verbundener Beschwerden, hat sich bei den ehemaligen Erwerbspersonen verringert, bei den noch am Erwerbsleben Beteiligten dagegen verstärkt. Der gegenüber den Erwerbstätigen im Allgemeinen bessere subjektive Gesundheitszustand der Ruheständler spiegelt sich entsprechend in deren höherer Zufriedenheit mit der Gesundheit wider. Die Analyse der Befragungsergebnisse des Lebenserwartungssurveys kann die o. a. Behauptung nicht bestätigen: Von einem „Pensionierungsschock“ kann keine Rede sein.

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