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Beat Mischler (2004)

Geburt und Elternschaft in der Stadt Zürich 1993-2002

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 29, 2/2004, S. 245-262, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Anhand der Daten, die bei der Geburt eines Kindes erhoben werden, entwickelt der Aufsatz einen Überblick über den gegenwärtigen Stand der Familienbildung in der Stadt Zürich. Dank noch leicht sinkender Sterbeziffer und seit 1977 stetig steigender Geburtenziffer erwartet die Stadt in absehbarer Zeit einen Geburtenüberschuss. Den Kindersegen verdankt sie allerdings weitgehend den Zuwanderern: Mehr als die Hälfte der Eltern, die in den letzten Jahren eine Geburt anmelden konnten, sind ausländischer Herkunft. Mit gut einem Viertel bilden die Eltern aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien die größte Gruppe, während in binationalen Elternschaften mit Schweizerinnen und Schweizern die Deutschen am häufigsten sind.
Die Geburtenziffer in den einzelnen Stadtquartieren zeigt deutliche Abhängigkeit von der Bautätigkeit. Die Analyse der Umzüge im zeitlichen Umfeld einer Geburt weist denn auch nach, dass werdende Eltern ein Jahr vor der Erstgeburt mehr als doppelt so häufig umziehen wie die übrigen Einwohner; im notorisch ausgetrockneten Wohnungsmarkt sammeln sie sich da, wo familiengeeignete Wohnungen neu auf den Markt kommen.
Der Anteil ehelicher Geburten liegt in der Stadt Zürich noch immer bei achtzig Prozent. Seit Beginn der achtziger und verstärkt seit Mitte der neunziger Jahre beginnt diese Quote nun allerdings spürbar zu sinken. Häufigste Familiengröße ist die Zweikindfamilie. Dahinter steckt allerdings wohl nicht eine Idealvorstellung: Der Anteil der Mütter, die auf eine weitere Geburt verzichten, ist nach der dritten Geburt größer als nach der zweiten.
Ein Vergleich der altersspezifischen Fruchtbarkeit der Frauen nach einzelnen Nationen zeigt, dass die Gebärphase ähnlich beendet, aber sehr unterschiedlich begonnen wird. Während sie bei Müttern aus der Türkei und aus Ex-Jugoslawien früh und kraftvoll einsetzt, bringen Schweizerinnen und Deutsche ihr erstes Kind spät zur Welt, zu spät, um noch eine den Bevölkerungsbestand sichernde Fruchtbarkeit erzielen zu können. Gruppiert man die Alter der Mütter allerdings nach der Heimat der Väter, zeigt sich, dass Schweizerinnen an der Seite von Ausländern durchaus zu früher Geburt bereit sind, während umgekehrt mit Schweizern verbundene Ausländerinnen die erste Geburt ebenfalls verzögern. Die Verzögerung der Erstgeburt (samt der daraus folgenden Senkung der Fruchtbarkeit) scheint also überwiegend von den Schweizer Männern verursacht zu werden.

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