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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Sonja Haug (2004)

Soziale Integration durch soziale Einbettung in Familie, Verwandtschafts- und Freundesnetzwerke

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 29, 2/2004, S. 163-191, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Untersucht wird die soziale Einbettung der 18- bis 30-jährigen Befragten deutscher, italienischer und türkischer Abstammung im Integrationssurvey des BiB. Die Ausstattung mit sozialem Kapital und die soziale Integration wird anhand der Haushaltsgröße, der Größe der Verwandtschaftsnetzwerke in Deutschland und im Herkunftsland, der Herkunft der Eltern sowie von Partnerschaften und Freundschaften mit Deutschen analysiert.

Junge deutsche Erwachsene ziehen früher aus dem Elternhaus aus und leben häufiger allein oder in kleineren Haushalten als italienisch- und türkisch-stämmige Befragte. Letztere haben zwar, mit Ausnahme der Italiener mit deutscher Staatsangehörigkeit, die zumeist deutsch-italienische Eltern besitzen, größere Haushalte und größere Verwandtschafts- und Freundesnetzwerke als Deutsche, aber die Verwandten leben mehrheitlich im Heimatland und die Freunde sind selten Deutsche. Die Migranten haben zwar mindestens eine gleichwertige Ausstattung mit sozialen Ressourcen, ihr soziales Kapital ist allerdings stärker herkunftslandspezifisch ausgeprägt. Der Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit geht in beiden ethnischen Gruppen mit häufigeren Freundschaften mit Deutschen einher.

Unterschiede zwischen italienisch- und türkisch-stämmigen Befragten und auch zwischen den Geschlechtern sind vor allem auf die Schulbildung, Sprachkenntnisse und indirekt wirkende ethnisch-kulturelle Faktoren wie intergenerationale Beziehungsnormen und religiöse Aspekte (islamische Religionszugehörigkeit und ausgeprägte Religiosität) zurückzuführen. Die soziale Integration geht mit strukturellen und kulturellen Aspekten der Integration einher, wobei auch der familiäre Hintergrund eine entscheidende Rolle spielt. Ein wichtiges Ergebnis ist der kumulative Effekt sozialer Beziehungen zu Deutschen; Kontakte im Elternhaus wirken sich auf den Freundeskreis aus und beides spielt bei der Partnerwahl eine bedeutende Rolle. Ein Drittel der italienisch-stämmigen und 5 % der türkisch-stämmigen Befragten des Integrationssurveys verfügen mit einem deutsch-stämmigen Elternteil über vererbtes aufnahmelandspezifisches soziales Kapital und somit ein höheres soziales Integrationspotential. Eine Einbürgerung hat dagegen einen relativ geringen Effekt auf die soziale Einbettung.

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