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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Reiner Schulz und Frank Swiaczny (2003)

Globale Verstädterung – Entwicklung, Ursachen, Folgen

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 28, 1/2003, S. 37-66, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte wird die globale Verstädterung, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit, den Aspekt des Weltbevölkerungsprozesses darstellen, der die größten Herausforderungen birgt. wachsende Zahl und Bevölkerung der Großstädte in den wenig (LDCs) und am wenigsten (LLDCs) entwickelten Ländern der Erde hat in der Vergangenheit das Interesse von Medien und Politikern geweckt. Der schnell steigende Anteil an Menschen, die in Städten wohnen, wird heute weithin als Bedrohung für die langfristigen Entwicklungsziele dieser Länder betrachtet. Die Expansion der städtischen Bevölkerung führt zum Entstehen neuer Slums mit unsicheren und ungesunden Lebensbedingungen und einer Unterversorgung mit Arbeitsplätzen, Wohnungen und Infrastruktur.

Zwischen 1950 und 2000 hat sich die Zahl der städtischen Bevölkerung von 0,75 Mrd. auf 2,9 Mrd. vervielfacht, ihr Anteil an der Weltbevölkerung erhöhte sich von 29,8 % auf 47 %. Während der vergangenen 50 Jahre lag die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Weltbevölkerung bei 1,75 % und blieb damit deutlich geringer als das durchschnittliche Wachstum der städtischen Bevölkerung mit 2,68 % pro Jahr. Die VN-Projektion der 2001 World Urbanisation Prospects sieht bis 2030 ein Wachstum der städtischen Bevölkerung auf 4,9 Mrd. voraus, so dass eine Verstädterungsquote von etwa 60 % erreicht werden wird. Nach dieser Vorausberechnung soll ein großer Teil des globalen Bevölkerungswachstums in den urbanen Regionen stattfinden und die Verstädterung weiterhin von den Migrationsüberschüssen aus ländlichen Räumen profitieren, wo die Fertilität überdurchschnittlich hoch bleibt.

Die Zahl der Megastädte mit einer Einwohnerzahl von 10 Mill. Menschen wird ebenfalls steigen. Während 1950 New York noch die einzige Stadt dieser höchsten Hierarchiestufe war, haben global bis zum Jahr 2000 weitere 16 Städte diese Schwelle erreicht. Gegenwärtig lebt erst 3,7 % der Weltbevölkerung in Megastädten, für 2015 wird jedoch bereits ein Anteil von 4,7 % geschätzt (21 Städte), verbunden mit einem zuvor nie erlebten Wandel des Städtesystems.

Der Aufsatz basiert auf den Schätzungen und Projektionen der aktuellen 2001 World Urbanisation Prospects Revision. Die Analyse des Verstädterungsprozesses beschreibt die regionalen Muster der Bevölkerungsverteilung in städtischen und ländlichen Räumen für die Periode 1950 bis 2030. Zusätzlich werden aggregierte Werte für Schlüsselindikatoren der Verstädterung und Daten zur Entwicklung der unterschiedlichen Siedlungsgrößenklassen präsentiert. Die Ergebnisse werden nach ausgewählten Regionen sowie für die wenig und am wenigsten entwickelten Länder gruppiert ausgewiesen. Ein zusammenfassender Abschnitt diskutiert die Struktur und demographischen Ursachen der Verstädterung und hebt die Konsequenzen für die künftige Stadtentwicklungspolitik hervor.

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