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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Marc Luy (2003)

Warum Frauen länger leben – wird ein Vergleich der Sterblichkeit von Kloster- und Allgemeinbevölkerung durch Bildungsgrad und Missionstätigkeit der Ordensmitglieder beeinflusst?

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 28, 1/2003, S. 5-35, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Durch eine Analyse der geschlechtsspezifischen Sterblichkeitsunterschiede in bayerischen Frauen- und Männerklöstern konnte gezeigt werden, dass die seit dem Zweiten Weltkrieg stattgefundene kontinuierliche Vergrößerung der männlichen Übersterblichkeit allein auf verhaltens- und umweltbedingte Ursachen und nicht auf biologische Faktoren zurückgeführt werden kann. Während sich der Unterschied in der Lebenserwartung in der deutschen Allgemeinbevölkerung sukzessive ausweitete, blieb diese Differenz in der bayerischen Klosterbevölkerung auch in der Nachkriegszeit unverändert mit einem leichten Vorteil zugunsten der Nonnen. Diese Ergebnisse könnten jedoch durch Bildungsgrad und Missionstätigkeit der katholischen Schwestern und Brüder verzerrt worden sein, da die Anteile sowohl der höher gebildeten als auch der missionierenden Ordensmitglieder in Frauen- und Männerklöstern nicht identisch sind. In dem vorliegenden Beitrag wird jedoch gezeigt, dass eine beeinflussende Wirkung dieser beiden Faktoren auf die Analyse der Sterblichkeitsunterschiede zwischen Nonnen und Mönchen ausgeschlossen werden kann. Während der Faktor Bildung in der Klosterbevölkerung, in der sich die Lebensstile der Mitglieder nicht wie in der Allgemeinbevölkerung in Abhängigkeit vom Bildungsgrad unterscheiden, keinen Einfluss auf das Sterblichkeitsniveau besitzt, würde die Herausnahme der Missionarinnen und Missionare aus der Analyse sogar zu einer weiteren geringfügigen Reduktion der männlichen Übersterblichkeit in der Klosterbevölkerung führen. Die Bedeutung der aus der bayerischen Klosterstudie gewonnenen Erkenntnisse bezüglich der geschlechtsspezifischen Sterblichkeitsunterschiede wird also durch die spezifischen Charakteristika der betrachteten Klosterpopulation in keiner Weise eingeschränkt.

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