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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Paul Demeny (2003)

Die bevölkerungspolitischen Dilemmata in Europa zu Beginn des 21. Jahrhunderts

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 28, 1/2003, S. 91-117, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN: 0340-2398

Der Artikel diskutiert Fragen, die durch eine dauerhaft unterhalb des Bestandserhaltungsniveaus liegende Fertilität in Europa aufgeworfen werden. Die demographische Zwangslage des Kontinents wird durch den Vergleich von Altersstrukturen und relativen Bevölkerungsgrößen zwischen Bevölkerungen in und außerhalb Europas hervorgehoben – wie jene von Russland und Jemen sowie einer auf 25 Länder erweiterten EU und einem 25 Länder umfassenden Hinterland der EU in Nordafrika und Westasien – basierend auf Schätzungen der UN für die vergangenen 50 Jahre und Projektionen für die voraussichtliche Entwicklung bis 2050. Mögliche geopolitische Aspekte des Bevölkerungswandels werden berücksichtigt. An Antworten der europäischen Politik mangelt es. Im Hinblick auf die demographische Schlüsselvariable Fertilität wird ein expliziter Pronatalismus von den meisten europäischen Regierungen abgelehnt. Ein Bündel politischer Maßnahmen, das weitgehend unterstützt wird – mit dem beabsichtigten Nebeneffekt der Erhöhung der Geburtenziffern – versucht, die Beschäftigung von Frauen im formalen Arbeitsmarkt mit der Betreuung von Kindern vereinbar zu machen. Die Effektivität solcher Maßnahmen ist jedoch wahrscheinlich begrenzt. Eine dauerhafte Fertilität unterhalb des Bestandserhaltungsniveaus, höhere außereuropäische Immigration, negatives Bevölkerungswachstum und ein Verlust an demographischem Gewicht gegenüber der Weltbevölkerung sind sichere Voraussagen für das Europa des 21. Jahrhunderts.

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