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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Sonja Haug (2002)

Familie, soziales Kapital und soziale Integration – Zur Erklärung ethnischer Unterschiede in Partnerwahl und generativem Verhalten bei jungen Erwachsenen deutscher, italienischer und türkischer Abstammung

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 27, 4/2002, S. 393-425, Opladen: Verlag Leske + Budrich, ISSN: 0340-2398

Ziel des Beitrags ist die Untersuchung der Familienbildungsmuster bei 18- bis 30-jährigen Personen mit deutscher, italienischer und türkischer Abstammung anhand des Integrationssurveys des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB). Dabei werden interethnische Partnerschaften mit Deutschen vor dem theoretischen Hintergrund des Sozialkapital-Ansatzes als Maß der sozialen Integration gewertet. Es wird geprüft, inwieweit sozialstrukturelle Aspekte der Integration und ethnisch-kulturell bedingte Normen und Einstellungen die Partnerwahl und das generative Verhalten beeinflussen. Eine Anpassung an deutsche Familienbildungsmuster ist bei Befragten italienischer Abstammung stärker verbreitet als bei türkischen Befragten. Insbesondere ist das Verhalten türkischer Frauen durch frühe Heirat und Geburt des ersten Kindes sowie ein hohes Ausmaß an ethnischer Homogamie geprägt. Die Akzeptanz interethnischer Partnerschaften ist bei den meisten Befragten sehr hoch, aber eine Realisierung mit Ausnahme der italienisch-stämmigen Männer mit deutscher Staatsangehörigkeit relativ selten. Eine deutsch-ausländische Ehe der Eltern sowie deutsche Sprachkenntnisse und ein hohes Bildungsniveau, deutsche Freunde und ein niedriger subjektiv wahrgenommener Ausländeranteil am Wohnort wirken sich bei den Migranten positiv auf die Wahrscheinlichkeit einer Partnerschaft mit einem/einer Deutschen aus. Ehe und Elternschaft sind in allen ethnischen Gruppen eng miteinander verknüpft. Alter, Geschlecht und Bildungsniveau bestimmen weitgehend das generative Verhalten. Interethnische Partnerwahl und generatives Verhalten hängen mit der Bildung zusammen: je höher das Bildungsniveau, desto häufiger sind deutsche Partner/innen und desto weniger Kinder werden geboren. Ethnisch-kulturelle Normen wie traditionelle Einstellungen zu intergenerationalen Beziehungsnormen sowie eine stark ausgeprägte islamische Religiosität haben einen hinderlichen Effekt auf Partnerbeziehungen zu Deutschen. Auf das generative Verhalten wirken sie sich ebenso wie eine hohe Wunschkinderzahl nicht direkt aus; sie gehen jedoch mit einer verstärkten Heiratsneigung einher, die wiederum in der Regel mit der Elternschaft verbunden ist.

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