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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Erika Schulz (2002)

Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Familienstandsstruktur – Entwicklung 1991 bis 1999 und Vorausschätzungen bis 2005

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 27, 2/2002, S. 213-245, Opladen: Verlag Leske + Budrich, ISSN: 0340-2398

Die Entwicklung der Einwohnerzahl ist für fast alle gesellschaftlichen Bereiche von Bedeutung. Bei einigen Fragestellungen ist jedoch auch zusätzlich der Familienstand von Interesse. Genannt seien hier beispielsweise das Steueraufkommen oder die häusliche Betreuung von Pflegebedürftigen. In diesem Beitrag werden die Entwicklung der Bevölkerung nach dem Familienstand in der Vergangenheit aufgezeigt, eine Methode zur Vorausschätzung des Familienstandes vorgestellt und die daraus resultierenden Ergebnisse diskutiert.

Zwischen 1991 und 1999 war ein Rückgang der Anteils Verheirateter und ein entsprechender Anstieg des Anteils Lediger zu verzeichnen. In Ostdeutschland fiel diese Verschiebung höher aus als in Westdeutschland. Die Veränderung zwischen 1991 und 1999 kann in drei Komponenten zerlegt werden: den Altersstruktureffekt, den Verhaltenseffekt und den Niveaueffekt. Es wird deutlich, dass der Verhaltenseffekt die Entwicklung in diesem Zeitraum am stärksten geprägt hat. Insbesondere in Ostdeutschland schlägt die umbruchbedingte Änderung des Eheschließungs- und Ehescheidungsverhaltens zu Buche.

Mit Hilfe der vorausgeschätzten Bevölkerung und den Eheschließungs-, Ehescheidungs- und familienstandsbezogenen Sterbeziffern erfolgte eine Fortschreibung der Bevölkerung nach dem Familienstand bis 2005. Nach diesen Berechnungen wird es bei einer fast gleichbleibenden Einwohnerzahl weiterhin eine Verschiebung zwischen Verheirateten und Ledigen geben. Während die Zahl der „aktiven“ Bevölkerung, die zum Großteil zum Einkommensteueraufkommen beitragen, um 560.000 sinken wird, wirkt die Erhöhung des Anteils Lediger dem entgegen. Insbesondere die Zunahme lediger Frauen im Alter von 20 bis 60 Jahren um 660.000, die eine wesentlich höhere Erwerbsbeteiligung aufweisen als verheiratete Frauen, trägt hierzu bei. In den älteren Altersjahren wird sich der Anteil Verheirateter erhöhen. Damit steigen die Chancen, im Falle der Pflegebedürftigkeit durch den Ehepartner versorgt werden zu können.

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