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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Karla Gärtner (2002)

Differentielle Sterblichkeit – Ergebnisse des Lebenserwartungssurveys

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 27, 2/2002, S. 185-211, Opladen: Verlag Leske + Budrich, ISSN: 0340-2398

1998 gab das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung bei der I+G Gesundheitsforschung GmbH (vormals: Infratest Epidemiologie und Gesundheitsforschung) im Rahmen seines Projektes „Lebensstile und ihr Einfluss auf Gesundheit und Lebenserwartung“ eine Erhebung in Auftrag, die unter dem Titel „Leben + Gesundheit in Deutschland“ durchgeführt wurde. Unter diesem Titel lief bereits in den Jahren 1984 bis 1986 der erste Nationale Gesundheitssurvey, der wesentlicher Bestandteil der Deutschen Herz-Kreislauf-Präventionsstudie war. In späteren Jahren gab es weitere Erhebungen zu diesem Themenkomplex, in die in den Jahren 1991 bis 1992 erstmals auch die neuen Bundesländer einbezogen wurden. Bei all diesen Surveys handelt es sich um Querschnittserhebungen, die jeweils auf einer neuen repräsentativen Stichprobe basierten und bei denen zum Teil auch medizinische Untersuchungen durchgeführt wurden. Die Arbeitsgebiete des BiB liegen jedoch nicht im medizinischen Bereich, daher sollte die neue Erhebung auch einen anderen Schwerpunkt erhalten. Ausgehend von bisherigen Ergebnissen aus der Mortalitätsforschung und den Fragen nach der gesundheitlichen Lage einer immer älter werdenden Bevölkerung sollten Faktoren im Mittelpunkt stehen, die einen Einfluss auf die Lebenserwartung generell, speziell aber auch auf die „Lebenserwartung in Gesundheit“, also die sogenannte „aktive Lebenserwartung“ haben können. Aus diesem Grund wurde die angebotene Möglichkeit, die BiB-Erhebung als Wiederholungsbefragung der bei den früheren Untersuchungen beteiligten Personen durchzuführen, gerne aufgegriffen. Für Westdeutschland wurde hierzu als Basis der Survey von 1984/86 gewählt, da hier die Zahl der Befragten am größten war und aufgrund des relativ langen Zeitabstandes auch genügend Angaben zu bereits Verstorbenen gewonnen werden konnten. Für Ostdeutschland ergab sich der Survey von 1991 bis 1992 als Basis. In Anlehnung an die Untersuchungsschwerpunkte des BiB wurden die Ausgangsfragebögen etwas verändert, rein medizinische Details entfielen und wurden durch Fragen zur allgemeinen Lebenslage und familiären Situation ersetzt. Des Weiteren wurde die Zahl der Befragten auf Angehörige der Jahrgänge 1952 und früher begrenzt.

Für den vorliegenden Beitrag wurden drei Gruppen gebildet: die zum zweiten Erhebungszeitpunkt Verstorbenen, die wiederholt Befragten und diejenigen, die aus verschiedenen Gründen nicht an der zweiten Erhebungswelle teilnehmen konnten oder wollten. Diese drei Gruppen wurden hinsichtlich ihrer soziodemographischen Merkmale, gesundheitlich relevanter Verhaltensweisen sowie einiger Angaben zur eigenen Gesundheit miteinander verglichen. Es zeigte sich, dass die zwischenzeitlich Verstorbenen in der ersten Erhebungswelle bei allen untersuchten Merkmalen die ungünstigsten Werte aufwiesen. Dies gilt sowohl für die soziale Zugehörigkeit (z. B. höherer Anteil an niedrigen Schulabschlüssen), als auch für Verhaltensweisen (z B. höchster Anteil an Rauchern) und Gesundheitsindikatoren (stärkste gesundheitliche Belastung beziehungsweise die anteilig höchste negative Einschätzung des Gesundheitszustands).

Die jeweils besten Werte erzielten die wiederholt befragten Personen. Die nur einmal Befragten rangierten in einer mittleren Position, wobei sich möglicherweise noch Unterschiede nach der Art der Verweigerung ergeben könnten. Eine solche Differenzierung wurde an dieser Stelle jedoch nicht vorgenommen, da das Hauptaugenmerk den Verstorbenen galt.

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